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Unsere Kolonien, was sind sie wert, und wie können wir sie erschliessen? : Ein Kolonialprogramm / August Seidel
Entstehung
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Arbeit und an Fürsorge für die Zukunft und für die Nachkommen. Das alles zusammengenommen im Verein mit dem Beispiel der Europäer wird auch die materiellen und geistigen Kulturbedürsuisse hervorrufen die den Eingeborenen in den Kolonien heute noch fehlen. Ja wenn wir einen Blick in das ferne Land der Zukunft tun wollen die Zivilisation wird den afrikanischen Neger ebensowenig zugrunde richten, wie den Südsee­insulaner und den Chinesen; sie wird vielmehr durch Beseitigung der Schäden, die bisher eine angemessene Vermehrung der kräftigen dunkeln Rasse in unsern Kolonien verhindert haben, es dahin bringen, daß die vielfach verwüsteten und schwach oder gar nicht besiedelten Ländereien sich endlich mit Menschen füllen. Das wäre der kostbarste Gewinn für unsere Schutzgebiete, die dem Europäer leider im allgemeinen den dauernden Aufenthalt und eigene körperliche Arbeit nicht zu gestatten scheinen.

V. vie wirtschaftliche Letätigung aer Kleinen.

Wir haben in den vorhergehenden Kapiteln gesehen, daß die Aus­beute vorhandener Werte zurzeit in unsern Kolonien erhebliche Gewinne noch nicht ergibt; wir haben ferner festgestellt, daß die Pro­duktion der Eingeborenen zwar gleichfalls heute bemerkenswerte Erträge noch nicht liefert, aber, zum Teil wenigstens, einer vielleicht nicht unerheblichen Steigerung fähig ist.

Es fragt sich also nun weiter, was die Weißen ihrerseits bisher getan haben, noch tun und fernerhin tun sollen, um wirtschaftliche Werte im Lande zu schaffen.

Um die Schwierigkeiten zu ermessen, denen der europäische Unter­nehmungsgeist bei der Lösung dieser Aufgabe begegnet, mögen wir uns vergegenwärtigen, was uns das erste Kapitel gelehrt hat, samt der Fol­gerungen, die sich daraus ergeben:

Das Klima ist meistens ungünstig (außer in Südwestafrika, Kiautschou und auf den kleinen Südseeinseln); es erlaubt dem Euro­päer ohne Unterbrechung nur kurzen Aufenthalt (ca. drei Jahre), verbietet ihm eigene Arbeit im Freien und nötigt zu häufigem, schädlichem und kostspieligem Personalwechsel. Tüchtige Beamte mit guten kolonialen Erfahrungen sind zudem selten und teuer; die Bevölkerung ist wenig zahlreich und hat weder erhebliche Kauflust noch Kaufkraft. Arbeits­kräfte sind schwer erhältlich und teuer. Die Regierung, ohne feste koloniale Majorität im Reichstage und in einer der Wichtigkeit ihrer Aufgaben unangemessenen Position, kann nicht schnell genug in ausreichendem Maße die wirt­schaftlichen Unterlagen für den privaten Unternehmungs­geist schaffen. Das heimischeKapital ist kolonialen Unter­nehmungen gegenüber zurückhaltend; gegen das fremdländische eifern die deutschen Chauvinisten. DieVerkehrsverhältnisseinden Schutzgebieten liegen noch völlig im Argen. Die Absatz­verhältnisse sind bislang ziemlich wenig geklärt, ohne