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Unsere Kolonien, was sind sie wert, und wie können wir sie erschliessen? : Ein Kolonialprogramm / August Seidel
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mit dem Ziel des Exports zu denken ist, muß die Zukunft lehren, scheint aber nicht ausgeschlossen.

Aus dem Vorstehenden ergibt sich, daß die Viehzucht in mehreren unserer Schutzgebiete gute Erfolge zu liefern verspricht, daß aber bisher wenig geschehen ist, um diese Aussichten geschäftlich zu verwerte».

ä) Der Plantagenbau.

Die größten Hoffnungen abgesehen von der Nuterbringung der deutschen Auswanderung hat man von vornherein, veranlaßt durch Englands und Hollands günstige Erfahrungen, in der Hinsicht auf die Kolonien gesetzt, daß man erwartete, die wertvollen kolonialen Ge­nußmittel aus eigenen Schutzgebieten zu beziehen, für die man zurzeit 7001000 Millionen alljährlich an das Ausland bezahlt, ja vielleicht mit dem Überschuß der Produktion auch noch andere Völker zu versorgen. Dazu kam der Wunsch, sich auch mit Bezug auf industrielle Roh­stoffe wie Baumwolle vom Anstand unabhängig zu machen. Daher begann man denn auch unmittelbar nach der Erwerbung der Kolonien mit der Kultur von allerhand wertvollen Welthandelsprodukten wie Tabak, Baumwolle, Vanille usw. In Ostafrika und in der Südsee, wo kapital­kräftige Gesellschaften tätig waren (die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, die Ostafrikanische Plantagengesellschaft, die Neu-Guinea-Kompagnie), wurden zuerst derartige Versuche ins Werk gesetzt, die zunächst nicht gerade sehr ermutigende Erfolge hatten. Der Tabak von Neuguinea sprach in Deutschland wenig an, noch weniger der ostafrikanische. Der Grund lag teils in der übergroßen Kraft des jungfräulichen Urwald­bodens, teils in uuzweckwäßiger Behandlung der reifen Pflanze seitens untüchtiger Beamten. Die Baumwolle zeigte in Ostafrika zu kurzen Stapel, iu Neuguinea ergab sie bessere Resultate. Nur die Vanille fiel -gut aus.

Der Tabakbau wurde daher in Ostafrika aufgegeben, in Neuguinea eingeschränkt. Dafür nahm man die Tabakkultur nunmehr in Kamerun auf, und zwar mit besserem Erfolge. Auch der Baumwollbau wurde zu­nächst vernachlässigt, dann aber wurde er (besonders durch die Bemüh­ungen des Kolouialwirtschaftlichen Komitees), mit Rücksicht aus die aus­gedehnten Baumwollkulturen der Eingeborenen im westlichen Sudan, in Togo eingeführt nnd auch in Ostafrika neu belebt, und die bisherigen Erfolge berechtigen zu guteu Erwartungen.

Anstelle des aufgegebenen Tabakbaus trat in Ostafrika zunächst der Kaffee bau, der mit liberischen und arabischen Sorten versucht wurde und sich erfolgreich bewies. Daneben wnrde der Kokospalme erhöhte Auf­merksamkeit geschenkt, und hier wie besonders auch in Neuguinea wurden >an vielen Stellen Pflanzungen angelegt. Dazu begann man im Anschluß >an die bisherige, obwohl mit primitiveren Mitteln arbeitende Betrieb­samkeit der Araber im unteren Pangani-Tale den Anbau von Zucker­rohr, und schließlich wurden an verschiedenen Stellen des Küstengebietes Agaven-Kulturen in Angriff genommen, beides vielversprechende Unter­nehmungen.

Inzwischen war in Kamerun die Kakao-Kultur emporgeblüht und .ergab ein ausgezeichnetes Produkt, das erste in unsern Schutzgebieten, das

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