Druckschrift 
Unsere Kolonien, was sind sie wert, und wie können wir sie erschliessen? : Ein Kolonialprogramm / August Seidel
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen
 

Das sind für den Betrieb der Landwirtschaft wenig günstige Ver­hältnisse, und es ist daher ein notwendiger Schluß, die Möglichkeit künstlicher Bewässerung ins Auge zu fassen. Nur wenn diese ge­lingt, kann an ausgedehnten Ackerbaubetrieb gedacht werden.

In dieser Beziehung bieten sich nun zwei Wege, die sich beide er­gänzen und daher beide beschritten werden müssen. Man erbohre zunächst an möglichst vielen Stellen des Landes Brunnen. Das überaus rührige Kolonialwirtschaftliche Komitee zu Berlin hat in dieser Beziehung viel­versprechende Anfänge gemacht. Seine Mittel sind aber beschränkt. Un­endlich viel bleibt noch zu tun, und auch das Tempo sollte schneller sein.

Zur Bewässerung größerer Anbauflächen reicht das aber nicht aus. Schon bisher haben intelligente Ansiedler an verschiedenen Stellen größere oder kleinere Staudämme aufgeführt, um das erforderliche Wasser in großen Staubecken aufspeichern zu könneu. Solche Anlagen sind indessen von den Bodenverhältnissen abhängig. Die Untersuchung des Landes durch Wasserbautechniker nach dieser Richtung hin hat nun ergeben, daß auch eine Anzahl großer Anlagen dieser Art ausgeführt werden könnte, durch welche sehr erhebliche Terrains dem Ackerbau erschlossen werden würden. Ein Projekt dieser Art, das eine Stelle in der Nähe von Windhuk bei Hatsamas ins Auge faßt und also gleichzeitig mit guten Absatzaussichten zu rechnen hätte, liegt feit Jahren der Regierung vor; aber die erforderlichen Millionen sind bisher nicht aufzubringen gewesen.

Derartige Anlagen aber wie auch die vorerwähnten Brunnenboh­rungen können von Privatunternehmern nicht geleistet werden; bei diesen für die allgemeine Entwicklung des Landes unbedingt erforderlichen Bor­arbeiten muß vielmehr die Negierung, unterstützt von den theoretischen Kolonialinteressenten, mit ihren Mitteln eintreten.

Neben den Unbilden des Klimas ist die Landwirtschaft aber, in Südwestafrika wie in den übrigen Kolonien, den Gefahren vielfacher Schädlinge ausgesetzt. Bekannt sind z. B. die Verwüstungen, die durch ungeheure Schwärme gefräßiger Heuschrecken angerichtet wer­den können.

Alles zusammengenommen, kann wohl kein Zweifel daran sein, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen an ausgedehnten Ackerbaubetrieb seitens der Weißen in den Kolonien nicht gedacht werden kann. Auch in Südwest­afrika find erst langwierige und kostspielige Borarbeiten erforderlich, um die Bedingungen für einen auch dann noch unter erschwerenden Verhält­nissen zu betreibenden extensiven Ackerbau zu schaffen.

s) Die Viehzucht.

Wie oben erwähnt, wird Viehzucht in den meisten Schutzgebieten von den Eingeborenen getrieben. Aber nur erst in Südwestafrika haben die Europäer den Versuch gemacht, an diese Bethätigung der Eingeborenen anzuknüpfen.

In Ostafrika sind hauptsächlich die jüngeren Bantu (Wadjagga, Wagogo, Warangi, Wanyaturu, Wambugwe, Wakagura, Wadigo, Wasse- geyu), die Bantu des Zwischenseengebietes, sowie die Massai Viehzüchter. In Usaramo, Ukami und Khutu ist die Rinderzucht wegen der Tsetse-