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Für angemessene Behandlung der Erkrankten ist schon vieles geschehen. Krankenhäuser bestehen jetzt in Anecho (Togo), Duala, Victoria (Kamerun), Dar-es-SalKm, Tonga (Ostafrika), Windhuk (Südwestafrika), Tsingtau (Kiautschou) usw. Für Rekonvaleszenten oder sonst angegriffene Konstitutionen sind vielfach Sanatorien an Stellen angelegt worden, die entweder wegen ihrer Meereshöhe oder wegen des günstigen Einflusses der Seeluft der Gesundheit zuträglicher sind, um so die Kosten und Unzuträglichkeiteu einer Urlaubsreise uach Europa zu vermeiden, so z. B. in Buea am Kameruuberg, auf der Landzunge Suellaba (Kamerun), auf der Jusel Ulenge bei Tanga (Ostafrika), auf der Insel Wonad (im Friedrich Wilhelmshafen) usw.
a) Die Siedelung.
Wenn wir hier von Siedelung sprechen, so haben wir eine dauernde Ansiedelung von Weißen in größerem Maßstabe im Auge. Die Niederlassung einzelner Europäer, wie z. B. die der Gebrüder Weilhammer in Uhehe (Ostafrika) oder des Ansiedlers Weber in Magamba (Westusam- bara, Ostafrika), ist für diese Frage völlig belanglos.
Denn der stärkste Anstoß zur Erwerbung deutscher Kolonien ist ausgegangen von dem Wunsche, Länder unter die deutsche Flagge zu stellen, die geeignet wären, die enorme deutsche Auswanderung der siebziger Jahre (bis 200 000 Köpfe im Jahr) wenigstens zu einem erheblichen Teile aufzunehmen. Auch jetzt noch verliert Deutschland alljährlich 20 — 40 000 Menschen, die meist nach Nordamerika gehen, Millionen deutschen Geldes mitnehmen, mit ihrer Hände Arbeit und ihrer Intelligenz ein fremdes Gemeinwesen stärken, bei ihrer Anpassungsfähigkeit dem Ansturm fremder Zuuge, Sitte und Denkart bald erliegen und so dem Vaterland zum großen Teile völlig verloren gehen.
Es fragt sich, ob unter unseren Schutzgebieten eines ist, das jährlich mindestens 5000 deutsche Auswanderer der Durchschnittsart auszunehmen imstande wäre.
Der Durchschnitt der Auswanderer nämlich ist arm; Leute, die einige Tausend Mark besitzen, sind sehr in der Minderheit.
Nnn hängt die Frage nach der Möglichkeit europäischer Ansiedelung immer und überall wesentlich von zwei Momeuten ab, dem Klima und der Möglichkeit besseren wirtschaftlichen Fortkommens gegenüber dem Mutterlande bezw. auch gegenüber anderen Siedelnngsgebieten.
In unseren Tropenkolonien schließt aber zunächst schon das Klima Massenansiedlungen der Weißen im großen und ganzen aus. Daran werden die besten hygienischen Einrichtungen ebensowenig etwas ändern als das Gelingen der erwähnten Koch'schen Versuche, die Malaria einzuschränken oder ganz zu beseitigen. Denn der Fehler liegt in der Hauptsache in der steten Gleichmäßigkeit der feuchten Wärme, die der Deutsche auf die Dauer ohne schweren Schaden an seiner Gesundheit nicht ertragen kann.
Die Gebiete, auf welche diese letzte Charakteristik hinsichtlich des Klimas zutrifft, sind jedenfalls für die Siedlung absolut ausgeschlossen. Das zeigen auch die Erfahrungen älterer Kolonialvölker wie der Holländer uud der Engländer. Hierher gehören Küste und Vorland in Ostafrika,