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Unsere Kolonien, was sind sie wert, und wie können wir sie erschliessen? : Ein Kolonialprogramm / August Seidel
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einen gewissen Arbeits zwang für die Eingeborenen gesetzlich zu statuieren als Entgelt für die Wohltaten geordneter Zustände und an­stelle der Naturalsteuern und der noch nicht eingeführten Wehrpflicht, ist doch bereits seit Langem von angesehenen Kolonialpolitikern ernsthaft er­örtert worden.

Ich halte einen solchen Arbeitszwang an sich gleichfalls für sehr heilsam und außerdem nützlich für die schnellere wirtschaftliche Hebung unserer Kolonien, aber ich bezweifle, daß eine allgemeine gesetzliche Ein­führung zu erreichen ist. Und nur eine solche würde wirklich wirksam sein. Daher ist auch von diesem Vorschlage kein Heil zu erwarten, und es nützt nichts, weiter dafür zu agitierend)

Höchstens könnte man den Eingeborenen freistellen, ihre Steuern statt in Naturalien in Form von Arbeit zu leisten und könnte solche Steuerarbeiter an Privatleute vermieten. Aber auch dieser an und für sich recht plausibel ausschauende Vorschlag bietet bei der Durchführung sehr erhebliche Schwierigkeit, anf die hier nicht weiter eingegangen wer­den kann.

5) Die Verkehrsverhältnisse.

Für die Verbindung der Schutzgebiete mit dem Mutterlcmde ist bereits sehr viel gescheheu. Deutsch-Ostafrika wird durch die Dampfer der subventiouierteu Teutsch-Ostafrika-Liuie zweimal monatlich mit Hain­burg verbuudeu (Fahrzeit 21 Tage). Von fremden Dampfern laufen die Schiffe der Messageries Maritimes (Marseille-Sansibar) und der British Jndia Steam Navigation Company auch unser Schutzgebiet an. Die Hauptstadt Dar-es-SalKm ist unterirdisch mit Sansibar verbunden und so an den Weltkabelverkehr angeschlossen.

Dentsch-Süd West afrika steht mit dem Mntterlaude durch die monatlich einmal verkehrenden Dampfer der Hamburger Woermann^Linie in Verbindung, Anch-.- telegraphischen Anschluß an Deutschland ist Sorge getragen worden.

Auch Kamerun und Togo werden von den Woermann-Tampfern angelaufen, das erstere in monatlichen Fristen (Fahrzeit 24 Tage), das letztere dreimal in jedem Monat. Außerdem verkehren in Kamerun zwei englische, in Togo drei englische nnd drei französische Linien. Das Post­amt in Duala (Kameruu) ist durch ein Unterseekabel mit der englischen Telegraphenstation in Bonny verbunden. Ebenso sind die Reichspost- anstaltcn in Lome uud Anecho (Togo) nicht nur uuter sich telegraphisch verbunden, sondern über Accra im Westen und Dahome im Osteu auch an das internationale Telegraphennetz angeschlossen.

Die bekannten ostasiatischen Dampferlinien stellen von Shanghai aus durch Privatdampfer die Verbindung mit Kiautschou her. Die Ver­bindung mit dem Welttelegraphennetz wird durch ein deutsches Kabel von Tsingtau nach Tschifu und Schanghai vermittelt.

Eine von Singavore ausgehende Zweiglinie des Norddeutschen Lloyd verbindet Kaiser Wilhelmsland mit dem Mutterlaude; dagegen fehlt eine direkte telegraphische Verbindung zwischen beiden. Den Verkehr an

5) Wie es z. B. der Deutsche Kolouialbuud in Berlin tut.

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