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Unsere Kolonien, was sind sie wert, und wie können wir sie erschliessen? : Ein Kolonialprogramm / August Seidel
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Wicklung hinderlich. Dem Privatunternehmer freien Lauf lassen, ihn innerhalb gewisser euger Grenzen an Leben und Eigentum schützen, darüber hinaus auf eigenes Risiko verweisen, der Privatinitiative des Einzelnen durch zweckmäßige wirtschaftliche Maßregeln vorarbeiten und sie zu stützen, das ist die Art, wie ein moderner Staat Kolvnialpolitik treiben soll.

L) Beschaffung der Arbeitskräfte. Sklaverei. Arbeits­zwang.

Wo die Bevölkerungsdichte so gering ist, wie wir oben gezeigt haben, liegt es auf der Hand, daß dort von vornherein alle wirtschaftlichen Be­triebe ausgeschlossen sind, die eine zahlreiche Bevölkerung und niedrige Lohnsätze zur Voraussetzung haben, wie z. B. die Seiden- und die Teekultur.

Die Folge ist ferner, daß auch alle sonstigen Unternehmungen an Arbeiter­mangel zu leiden haben, bezw. daß die Löhue hoch sein müssen und die Rentabilität dadurch gedrückt werden wird.

Dieser Uebelstand hat sich denn auch schon jetzt, wo wirtschaftliche Betriebe von europäischer Seite doch erst in geringem Umfang angelegt worden sind, schon vielfach störend bemerkbar gemacht. Dazu kommen aber auch noch andere Schwierigkeiten. Die Leute sind zum Teil wenig die Arbeit gewöhnt, faul, wenig anstellig, kommen unregelmäßig, entlausen auch wohl gauz mit dem erhaltene» Lohnvorschuß u. dgl. m.

Um dem abzuhelfen, sind bereits zahlreiche Vorschläge und Versuche gemacht worden.

Fast alle wirtschaftlichen Betriebe liegen vorläufig an den Küsten. Man hat nun z. B. in Ostasrika Leute aus dem Innern herangezogen und in der Nähe des Betriebes angesiedelt. Dies hat sich durchaus bewährt.

Nach Kaiser Wilhelmsland hat man Malayen und Chinesen sowie Buka-Leute und andere Insulaner gebracht. Auch nach Ostasrika hat man vorgeschlagen, Chinesen oder Hindus zu importieren. Gegen die Chinesen spricht, daß sie uicht dauernd im Lande bleiben; die Jndier wird die britische Negierung andrerseits nicht aus dem Lande lassen.

Das Aussichtsvollste bleibt immer eine rationelle Ansiedlnng tüchtiger Eingeborener und es gibt in jedem Schutzgebiete arbeitsame und an­stellige Volksstämme in der Nähe geplanter oder bestehender Betriebe. Dies ist freilich eine Maßnahme, die von der Regierung iu die Haud genommen uud bezahlt werden muß. Nur sie hat die dazu erforderliche Autorität und Machtfülle, und kein wirtschaftliches Unternehmen könnte die Belastung mit den Kosten dieser Art der Arbeiterbeschaffung z. Z. ertragen, ohne unrentabel zu werden.

Denn abgesehen von allem anderen, sind die Lohnforderungen in­folge des genügen Arbeiterangebots zum Teil bereits so hoch (z. B. in Deutsch-Ostafrika), daß manche Kulturen dadurch aussichtslos zu werden drohen, die beim Betrieb durch Sklavenarbeit in anderen Kolonien und in früherer Zeit hohe Gewinne abwarfen. Natürlich kann es niemandem einfallen, die Wiedereinführung der Sklaverei zu befürworten, da ein solcher Vorschlag abgesehen von seiner moralischen Verwerflichkeit auch heute keiue Aussicht mehr hätte, durchzudriugen. Aber der Plan