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Völkerungsziffern hier noch bei weitem nicht überall ermittelt; soweit sie Äber vorliegen, sind sie etwas weniger ungünstig. So zeigt Neu- Lauenburg eine Volksdichte von 28, die Marshall-Jnseln von 36,5 und Samoa wenigstens noch von 12.
e) Die Kolonien und der Reichstag.
Wie wenig die kolonialpolitischen Ideen noch die große Masse des Volkes erfaßt haben, zeigt sich besonders darin, daß die Kandidaten für den Reichstag nach ihrer Stellung zur Kolonialpolitik kaum je gefragt Werden. Die koloniale Mehrheit, über die die Regierung im Reichstage -verfügt, steht denn auch sehr auf tönernen Füßen. Konservative und Reichspartei machen die Regierungspolitik mit, ohne — mit verschwindenden Ausnahmen wie Graf Arnim-Muskau und wenige andere — sonderliche Begeisterung und erhebliches Verständnis dafür zu zeigen. Das Zentrum ist in dieser Frage gespalten. Die Mehrzahl ist lau und unlustig, und mir eine geringe Minderheit unter Führung des unermüdlichen Prinzen Arenberg für eine energische Kolonialpolitik zu haben; stärkeren Anforderungen gegenüber würde das Zentrum sicher versagen. Mehr Verlaß ist auf die Nationalliberalen und den „weiblichen" Freisinn; besonders unter den ersteren befinden sich einige überzeugte Anhänger der kolonialen Expansion. Das ist im allgemeinen die Gefolgschaft der Regierung in kolonialen Fragen. Wird das Zentrum untreu, so ist das Schicksal jeder kolonialen Vorlage besiegelt; das Zentrum allein bringt sie mit den Sozialdemokraten zu Falle.
In dieser Situation liegt ein stark retardierendes Moment für die Kolonialregierung. Der Gedanke an die unsichere Mehrheit des Reichstages lahmt die Initiative der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts und macht sie ihrerseits minder empfänglich für die Vorschläge der Gouverneure wie der Privatunternehmer und der kolonialen Theoretiker, zumal diese Behörde an sich z. Z. noch eine vielfach gebundene Position hat.
Die Einwürfe, welche von den grundsätzlichen Gegnern der Kolonialpolitik im Reichstag immer wieder erhoben werden, sind leicht zu widerlegen.
Man sagt, „das Geld, das man für Kolonien ausgebe, köune im Jnlaude besser verwendet werden". Hätte man aber keine Kolonien, so würden nach dem eingangs Gesagten die Auswanderer viele Millionen mit in fremde Länder nehmen, ungezählte Millionen würden für Kolonial- prodnkte an fremde Mächte gezahlt werden, die deutsche Industrie würde weniger absetzen und der deutsche Handel würde weniger geschützt sein. Der Verlust würde also hundertmal größer sein als der Gewinn.
Man sagt ferner, „im Kriegsfalle würden die Kolonien auch kein Schutz für den Handel sein, nur die Habgier des Feindes reizen uud uns zur Zersplitterung der Kräfte nötigen".
Natürlich kannten die Kolonien den Handel nicht allein schützen, aber als Stützpunkte für die Operationen unserer Kriegsmarine wären sie immerhin wertvoll, besonders wenn sie geschützte und befestigte Häfen hätten, die den Handelsschiffen Zuflucht gewähren könnten. Ebenso würden sie beim Vorhandensein passender Anlagen den Kriegsschiffen beim Kohlennehmen nnd beim Docken erhebliche Dienste leisten können. Natürlich