Druckschrift 
Der Kampf um unsere Kolonien / von Carl Mirbt, Professor in Göttingen
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

Aber wir verdanken unseren Kolonien noch weit Größeres: sie haben in den Jahrzehnten seit der Reichsgründung unserem Volk große Aufgaben gestellt, die unsere Kräfte stark in Anspruch nahmen. Sie verlangten zu unserem Glück ernste Anstrengungen, forderten Opfer, stellten uns vor unbekannte Schwierigkeiten. Unser Kolonialwesen wurde mehr und mehr den parteipolitischen Interessen und Gegensätzen entrückt, und ein Arbeitsfeld des gesamten deutschen Volkes, das den Unternehmungsgeist weckte, das tatkräftigen Persön­lichkeiten mannigfache Möglichkeiten, sich zu betätigen, darbot, der allen Zweigen der Wissenschaft neue, zum Teil überaus anregende Forschungsgebiete erschloß, das Gelegenheit bot, militärische Erfah­rungen zu sammeln und dem Geistesleben unseres ganzen Volkes eine Fülle von fruchtbringenden Anregungen zugeführt hat.

Je mehr wir uns dann in das uns fremde Gebiet der Kolonial­politik einlebten, um so klarer wurde uns, daß wir der eingeborenen Bevölkerung gegenüber ernste Pflichten haben. Hier setzte die großartige Wirksamkeit der christlichen Missionen ein, die sich um die Zivilisierung und geistige Hebung der Eingeborenen die größten Verdienste erwarben und für die fortschreitende Kolonisierung in vielen Beziehungen ein wertvoller Mitarbeiter wurden.

So ist in wenigen Jahrzehnten jenseits des Weltmeeres ein Neudeutschland entstanden, das nicht nur staatsrechtlich zu uns gehört, sondern durch starke Interessen, durch unsere Arbeit, durch das dort geflossene deutsche Blut, durch engste persönliche Beziehungen mit uns verknüpft wurde.

Diese unsere Kolonien sind jetzt Kriegsschauplatz.

3.

Sofort nach dem Ausbruch des Krieges stürzten sich unsere Gegner auf unsere Kolonien. Rußland schied für diesen Kolonial- 14