Aie Überzeugung, daß der Türkei nur durch Schulen zu helfen sei, stammt nicht von gestern. Sie ist so alt roie die Geschichte der Reformen im osmanischen Reiche und roird in gleicher Weise von Türken und ausländischen Türkenfreunden — von letzteren wenigstens theoretisch — geteilt. Moltke hat sie, ein neuer Fichte, 1841 auf die klassische Formel gebracht: „Wenn eine Regeneration des türkischen Reiches als solche möglich, so kann sie nur von einer erst zu erziehenden Generation ausgehen."
Diese Überzeugung ist das A und O der ersten Verfassungs- schroärmer zur Zeit Midhats, sie glimmt unter der Asche mährend der Tyrannis Abdulhamids, als geistige Kirchhofsstille im weiten Lande herrscht; nach der glücklichen Revolution von 1908 wird sie der Kernpunkt des innerpolitischen Programms der Jungtürken. „Vom Schulwesen erwartet das Türkentum neuen Lebensgeist und die Sicherung seiner Existenz" stand im „Jkdam" zu lesen. Geradezu rührend ist es anzusehen, mit welcher reinen Begeisterung, mit welchem kindlichen Vertrauen zur Macht der Bildung, und doch wie unpraktisch die neuen Machthaber am Goldnen Horn sogleich an die Verwirklichung ihres Ideals „Verjüngung der Türkei durch die Schule" herantreten.
Ein Kennzeichen der Orientalen ist die mangelnde Achtung vor stillem, langsamen „preußischen" Schaffen. Ein Herrenvolk wie das osmanische gibt sich in seiner Eroberungssorglosigkeit nicht gern damit ab, es will gleich äußere Erfolge sehen. In wenigen Jahren soll das hervorgezaubert werden, wozu Jahrzehnte zäher Kleinarbeit nötig sind. Frhr. v. d. Goltz erklärt in seiner Schrift „Der jungen Türkei Niederlage und die Mög- lichkeit ihrer Wiedererhebung" dieses Versagen fast aller Reformanläufe aus der orientalischen Seele in der türkischen