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Die Eisenbahnen Deutsch-Südwestafrikas und ihre Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonie / von Erich Quiring
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Aus militärischen Rücksichten gemäß wurde ferner noch eine Abzweigung von der Hauptstrecke nach dem Süden, und zwar von Seeheim nach Kalkfontein vorgeschlagen und durch Anleihegesetz vom 18. Mai 1908 bewilligt. Gleichzeitig wurde hiermit die Absicht verfolgt, den südlichsten Teil des Gebietes politisch und wirtschaftlich unabhängig zu machen.

Hier sitzen die Bondelswartz, die, vom Viehraub lebend, zu den unruhigsten Elementen der Kolonie gehören und schwer zu fassen sind, da die Nähe der englischen Grenze und die Be­schaffenheit des Geländes ihnen das Entkommen erleichtert. Hier waren die ersten Unruhen ausgebrochen, und hier wiederum war der Aufstand nicht zum Erlöschen zu bringen. Es hätte also hier ständig eine starke Streitkraft gehalten werden müssen, wenn nicht durch eine Eisenbahn leichtere und schnellere Ver­teilung der Truppen ermöglicht würde. Diese Verkehrsanlage war um so ratsamer, als damit gleichzeitig für die wirtschaft­liche Erschließung des Landes wesentliche Dienste geleistet werden konnten. Wie das überall beobachtet wurde, darf auch hier vorausgesetzt werden, daß der Ansiedler der Bahnlinie folgt. Die Gegend eignet sich für die Zucht von "Wollschafen, Angora­ziegen und Pferden, da die Pferdesterbe hier unbekannt ist. Ferner wird eine Folge des Bahnbaues eine Stärkung des deutschen Elementes sein, das hier, wo die Einwanderung vorzugsweise von der Kapkolonie her vor sich ging, gegen die nichtdeutsche Bevölkerung zurücksteht. Für den Etat kam die Verminderung der Truppe und die Transportverbilligung des Nachschubs für die südlichen Stationen in Betracht, was nicht nur die Betriebs­kosten zu decken vermochte, sondern sogar einen Überschuß aus­zurechnen gestattete. Man hatte nunmehr schon einige Angaben der Hauptbahn vorliegen. Bis 31. Oktober 1907 also vor Vollendung der ganzen Strecke waren an Militärgütern 23663 t befördert = 3292359 tkm. Die Frachtkosten betrugen hierfür 909 285 Mk. Nach den tatsächlich bezahlten Sätzen hätte

Fiskus dann aus den etwaigen Betriebsüberschüssen nachfolgender Pachtjahre vorab zurückerstattet. (Arch. für Eisenbahnwesen, Jul. Springer, Berlin 1910, .S. 650/51.)

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