Druckschrift 
Urwald-Dokumente : vier Jahre unter den Crossflussnegern Kameruns / von Alfred Mansfeld
Entstehung
Seite
123
Einzelbild herunterladen
 

Verkehrswesen.

123

einfach aneinander gebundenen Lianen bestehen die beiden Handhaben, das Geländer; sie sind in einem Abstand von ca. 1,50 m in 1—2 m Höhe über dem Grundseil gespannt. Die beiden Handseile sind mit dem Grundseil durch Lianen, welche zu dünnen Bindfäden gespalten sind, miteinander verbunden und zwar in Form eines Maschonwerkes; je enger dieses Maschenwerk ist, desto größer ist das Sicherheitsgefühl beim Überschreiten der Brücke. Bei guten Brücken ist das Grundseil so breit und sind die Maschen so eng, daß man, ohne sich an­halten zu müssen, über eine 20 m lange Brücke frei gehen kann. Der Quer­schnitt soll ein gleichschenkliges, nicht ein gleichseitiges Dreieck bilden; ist letzteres der Fall, dann sind entweder die Handseile nicht hoch genug über dem Grundseil, oder aber ihr gegenseitiger Abstand ist zu weit; es gehören dann lange Negerarme dazu, um sich mit beiden Armen gleichzeitig an dem Geländer festhalten zu können.

Um das Grundseil anzubringen, werden zuerst mehrere Lianen aneinander geflochten, deren eines Ende sich ein guter Schwimmer um den Leib bindet, um damit an das andere Ufer zu schwimmen; ist das Seil dann am Baum be­festigt, so werden weitere Lianen nachgezogen, um die Handhaben herzustellen und das Trittseil zu verstärken. Damit das Grundseil nicht zu starke seitliche Bewegungen ausführen kann, werden in Abständen von 1—2 m Seile befestigt, die das Hauptseil nach unten ziehen.

Wasserwege.

Die Wasserwege sind ganz entschieden bis heute noch sehr vernachlässigt und bei weitem nicht genügend ausgenutzt worden. Abgesehen vom Crossfluß selbst, beschränkt sich mit ganz verschwindenden Ausnahmen der Bootsverkehr in den Nebenflüssen auf einige wenige Fähren. Erklärlich ist das zwar, denn die Urwald-Vegetation bringt es mit sich, daß große Bäche durch einstürzende Bäume und durch herunterhängende Lianen an vielen Stellen so gut wie gesperrt werden. Es wäre aber ein leichtes, im Ossidingebezirk den Nachweis zu er­bringen, daß bedeutende Trägerunkosten erspart würden, wenn alle Bäche dem Kanuverkehr eröffnet wären. Die Engländer haben durch energisches Reinigen dieser Bäche und Kreeks erzielt, daß auf Grund des der Reinigung folgenden Kanuverkohrs gerade an Zusammenflußstellen von Bächen große Märkte ent­standen sind. Selbst wo Felsen oder Wasserfälle den glatten Verkehr stören, sollte die Arbeit in Angriff genommen werden, denn Umladeplätze sind stets ohne große Mühe herzustellen; auch diese Umladeplätze werden sich zu An­siedelungsplätzen oder Handelsplätzen herausbilden.

Transportmittel.

Von Transportmitteln kennt man Tragkörbe, Handkörbe, Taschen und Trag­vorrichtungen für Kinder.

Die Tragkörbe (Mbaka) (siehe Abb. 34) werden aus der Liane Affurre her­gestellt; die nicht gespaltene Liane dient hierbei als Gerüst des Bodens und der Seitenwände und die zu Bindfäden gespaltene zur Verbindung der einzelnen Teile. Die Größe schwankt zwischen 75 cm und 1,50 m. Gilt es schnell einen