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Handbuch der geographischen Ortsbestimmung für Geographen und Forschungsreisende / von Adolf Marcuse
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327
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Ortsbestimmung im Luftballon. 327

halbkugel in mittleren und höheren Breiten als einen der Sterne den Polarstörn «Ursae minoris zu wählen, der wegen seiner lang­samen scheinbaren Bewegung oft mit anderen Sternen durch denselben Vertikalkreis geht. Dann wäre es also eine Zeit­bestimmung im Vertikal des Polarsterns.

Aus Gleichung 99) folgt endlich bei bekannter Uhrkorrektion aus Sterndurchgängen nahe dem ersten Vertikal die Breite op, wobei als Kontrollgleichung die entsprechende Formel für und S 1 gelten kann.

III. Geographische Ortsbestimmung im Luftballon.

Während die nautische Astronomie zur Bestimmung des Schiffsortes auf See seit vielen Jahrhunderten ein unentbehrliches Hilfsmittel der Schiffahrt geworden ist und stetig sich entwickelt hat, liegt die aeronautische Astronomie zur Ermittelung des Ballon­ortes bei Luftreisen noch in ihren ersten Anfängen, obwohl sie dazu berufen sein dürfte, der Luftschiffahrt gleichfalls wertvolle Dienste zu leisten.

Im Folgenden soll nun versucht werden, wenigstens die Grund­lagen einer astronomischen Ortsbestimmung im Luftballon zu geben, im Anschluß an die schon vor mehreren Jahren vom Ver­fasser gemachten Vorschläge 1 ) und nachdem die ersten ein­schlägigen Versuche in dieser Bichtung auf dem aeronautischen Observatorium Lindenberg bei Beeskow durchgeführt worden sind 2 ).

Eine Ballonfahrt mit Anblick der Erdoberfläche gleicht der Schiffahrt in Sicht der Küste, wo eine einfache Orientierung nach der Karte, unter Umständen auch mit Verwendung des Kompasses, genügt. Tritt, aber, wie häufig, der Fall ein, daß die Erdober-

') Vgl. Protokoll über die dritte zu Berlin abgehaltene Versammlung der internationalen Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt, Straß­burg 1903.

s ) Mit Genehmigung der Direktion des Aeronautischen Observatoriums hat der Assistent an jenem Institut, A. Wegener, bereitwilligst bei einer Frei* fahrt am 11. Mai d. .1. zum ersten Male vollständige astronomische Ortsbestim­mungen im Ballon durchgeführt, deren Ergebnisse im Folgenden benutzt werden konnten und deren Einzelheiten noch in den Publikationen des Aeronautischen Observatoriums zur Diskussion gelangen sollen.