50 Grundbegriffe der astronomischen Geographie.
Refraktion. Den Erdkörper umgibt eine dichte Atmosphäre, deren Luftschichten bis zu mindestens 82 km J ) Höhe Lichtstrahlen der Himmelskörper zu brechen vermögen. Daher sieht man die Gestirne nicht an ihrem wahren Orte,, sondern in einer Richtung, in welcher der durch Refraktion gebrochene Lichtstrahl der Himmelskörper das Auge des Beobachters trifft. Dieser astronomischen Strahlenbrechung, welche zwar schon im Altertum erkannt, aber zuerst von Tycko Brahe (im 16. Jahrhundert) genähert berechnet worden ist, liegt folgender Vorgang zu Grunde.
Die vom Gestirn zum Beobachter gelangenden Lichtstrahlen gehen zunächst geradlinig durch den in dieser optischen Hinsicht als Vakuum geltenden Himmelsraum. Beim Eindringen in die
Erdatmosphäre werden sie jedoch abgelenkt, indem der Winkel zwischen jenen aus dünneren in dichtere Medien übergehenden Lichtstrahlen und dem Einfallslot (s. Fig. 14) nach bekannten Brechungsgesetzen kleiner wird als der zu den auffallenden Strahlen gehörige AVinkel. Außerdem nimmt aber die Dichtigkeit der Luftschichten nach dem Erdboden stetig zu, da der Luftdruck z. B. in 30 km Höhe noch unter 10mm, in 10 km schon etwa 217 mm und am Meeresniveau durchschnittlich 760 mm beträgt. Daher wird ein aus dem Himmelsraum e
') Aus neueren photographischen Höhenmessungen der sog. leuchtenden Naehtwolken folgt eine vertikale Erhebung von durchschnittlich 82 km für jene eigenartigen Gebilde, welche wohl an der Grenze der optisch wirksamen Luftschichten zu liegen scheinen. Mechanisch wirksame atmosphärische Gemenge dagegen dürften den Erdkörper, nach Beobachtungen von Sternsehnuppenhöhen zu schließen, bis zu vertikalen Ausdehnungen von etwa 250 km umgeben.
Fig. 14.
Astronomische Strahlenbrechung.
2i Z O S 0 — z wahre Zenitdistanz; 2^Z 0 S' — z' scheinbare Zenitdistanz.