Druckschrift 
Handbuch der geographischen Ortsbestimmung für Geographen und Forschungsreisende / von Adolf Marcuse
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

Veränderungen der Koordinaten. Präzession. 35

zu tun, welche als Präzession, Nutation, Polschwankung, Aberration, Eigenbewegung, Eefraktion und Parallaxe in der sphärischen Astronomie eine wichtige Rolle spielen. Das Wesen derselben soll nunmehr ganz kurz erörtert werden, soweit jene Korrektionen für die vorliegenden Zwecke der geographischen Ortsbestimmung in Betracht kommen. Hierbei muß neben der bisher allein berücksichtigten Einwirkung der Erdrotation auch der Einfluß der jährlichen Bewegung unseres Planeten in der Ebene der Ekliptik auf die vom Erdmittelpunkte aus festgelegten sphärischen Gestirnskoordinaten in Betracht gezogen werden.

Präzession. Wäre die Erde eine vollkommene Kugel, oder stände die Rotationsachse der sphäroidischen Erde senkrecht zur Bahnebene, so könnte trotz wechselnder Anziehungswirkungen von Sonne und Mond, falls noch Mondbahn und Ekliptik zusammen­fielen, die Erdachse während der jährlichen Bewegung unseres Planeten ibre Richtung im Weltenraume nicht ändern. Bei dem wirklichen Erdellipsoid mit einer um 23,5° gegen die Ekliptik und etwa 18° bis 28° (s. S. 38, Anm.) gegen die Mondbahn ge­neigten Äquatorebene erzeugt aber die Anziehungswirkung von Sonne und Mond in Verbindung mit der Rotation der Erde eine langsame Drehung des Äquatorpols um den Pol der zunächst als fest angenommenen Ekliptik. Dadurch entsteht eine rück­gängige Bewegung der Durchschnittslinie beider, um die Schiefe der Ekliptik (s) gegeneinander geneigter Ebenen, also auch der Äquinoktialpunkte auf der Ekliptik, um jährlich etwa 50,3", welche als Präzession bereits im zweiten vorchristlichen Jahr­hundert dem griechischen Astronomen Hipparch bekannt war. Infolge dieser sog. Lunisolar-Präzession wachsen die vom Frühlingspunkte (v) auf der Ekliptik nach Osten gezählten Längen der Sterne 1 ), und entsprechend ändern sich auch die Rektaszensionen und Deklinationen, indem erstere («) im all-

') Den sphärischen Koordinaten (rf, r<) im System des Äquators ent­sprechen in der Fundamentalebene der Ekliptik die Breiten (ft) und die Längen (l). Unter Breite des Gestirnes, gezählt von 0° bis + 90° (Ekliptik bis Pol der Ekliptik), vorsteht man den auf seinem Breitenkreise gezählten Bogenabstand des Gestirnes von der Ekliptik; die Länge eines Gestirnes ist der auf der Ekliptik von 0° bis'0° (im Sinne der Rektaszension) gezählte Bogenabstand seines Breitenkreises vom P'rühlingspunkte.

3*