Druckschrift 
Handbuch der geographischen Ortsbestimmung für Geographen und Forschungsreisende / von Adolf Marcuse
Entstehung
Seite
34
Einzelbild herunterladen
 

34 Grundbegriffe der astronomischen Geographie.

In der Tat haben genaue geodätische Messungen gezeigt, daß fast überall infolge unregelmäßiger Figur und Dichte der Erde Lotabweichungen in nord-südlieher wie in ost-westlicher Richtung auftreten, die von Bruchteilen der Bogensekunde bis zu etwas über ein und eine halbe Bogemninute gehen können. So beträgt z. B. die Lotablenkung für die Station Wladikawkas durch das Kaukasusgebirge etwa 36", und in der Tiefebene bei Moskau ist eine durch unterirdische Massendefekte hervorgerufene Lot­abweichung von ungefähr 10" beobachtet worden. Auf Hawaii endlich, wo u. a. der Riesenvulkan Mauna Loa bis zur Höhe von 8000 m vom Meeresboden aus sich erhebt, kommt die bisher größte Lotstörung auf der Erde von 97" vor. Solche in meridio- naler Richtung und im Sinne der Parallelkreise auftretenden Lotablenkungen bewirken, daß die astronomisch bestimmten Breiten- und Längenunterschiede der Erdorte nicht genau mit den entsprechenden geodätischen, auf trigonometrischem Wege ermittelten Entfernungen übereinstimmen.

Für die vorliegenden astronomischen Zwecke der geogra­phischen Ortsbestimmung, die hier allein in Betracht kommen, genügt es jedoch, wenn cp und A einfach auf die Lage des zum Beobachtungsorte gehörigen astronomisch - geographischen Zenits an der Himnielskugel bezogen werden, welche durch die Verlängerung der im Beobachtungspunkte stattfindenden Lotlinie gegeben ist.

Veränderungen der Gestirnskoordinaten und der Koordinaten der Erdorte; Verbesserungen der Beobachtungen.

Bisher wurde angenommen, daß die Fundamentalebene des Äquators und ihre Pole, auf welche die sphärischen Koordinaten der Gestirne (ö, «) und diejenigen der Erdorte (cp, A) bezogen sind, sowohl im Räume unter den Sternen als auch auf dem Erd­körper gegen die Ebene des jeweiligen Beobachtungshorizontes unveränderlich liegen. Das ist aber nur näherungsweise der Fall, denn man hat es bei Berechnung der Koordinaten für die Gestirne und bei Auswertung der Richtungsmessungen an den Himmelskörpern im großen und ganzen mit sieben Korrektionen