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Kopf bedeckt das enganschliessende Kolonistenhäubchen von Zitz; dazu kommt ein weisses Tuch über den Kopf und an Sonn- und Feiertagen in die Hand ein „Bluniensträussle".
Die Kolonien an der "Wolga.
Weitaus am bedeutendsten sind aber die Kolonien an der Wolga in den Gouvernements Ssamara und Ssaratow, in welchen nach Bittich 251 749 deutsche Kolonisten wohnen. Und zwar in mehr als 170 verschiedenen ganz deutschen Orten.
Die ersten Einwanderer kamen unter ~ Katharina II. in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts hierher. Sie stammten nicht aus einer engbegrenzten Gregend Deutschlands, vielmehr aus Holstein, Westfalen, Hessen, der Pfalz, Baden. Württemberg, Tirol, Bayern, Sachsen, Schlesien und Ostpreussen, ferner aus Holland, aus der Schweiz, aus dem Elsass und aus Lothringen. Bs waren das nicht immer Leute der besten Klasse, nicht wenige Glücksritter und Abenteurer, dennoch erfuhren sie von der russischen Regierung die liberalste rnterstützung. Man baute ihnen Häuser und Kirchen, man gab ihnen in den ersten Jahren Lebensmittel und beschaffte für sie Saatkorn und Ackergerät. Nicht weniger als 5199 813 Rubel sind so von der Regierung verausgabt worden.
Eine Trennung der . Kolonisten nach Herkunftsländern fand nicht statt, wohl aber wurden den Katholiken- gesonderte Niederlassungen angewiesen.
Die deutschen Ansiedler prosperierten aber trotz aller Vergünstigungen keineswegs, hauptsächlich weil die meisten wenig Last zu ernster, andauernder Arbeit zeigten. Dazu kamen die Einfälle der benachbarten wilden Kirgisenstämme, welche aus ihren Steppen zwischen Uralfluss und Jeruslan hervorbrachen, die nächsten deutschen Dörfer überfielen und