Die Sitzung wird um 8 Uhr abends vom Herrn Prof. Dr. Schmoller
mit folgender Ansprache eröffnet:
Meine Herren! Im Namen unseres provisorischen Kolonialpolitischen Aktionskomitees, das aus den Kreisen von Kunst, Wissenschaft und Technik hervorgegangen ist, habe ich zunächst allen Anwesenden unsern Dank auszusprechen dafür, dass sie so zahlreich erschienen sind und auch dafür, dass sie unserm Unternehmen ein so grosses Interesse entgegengebracht haben. Ich will es mit einem Worte zu rechtfertigen suchen, dass wir es unternommen haben, neben den politischen Parteien in den Wahlkampf einzugreifen, dass wir es unternommen haben, neben diesen Parteien zu einer Aktion einzuladen und Sie zu bitten, uns bei dieser Aktion zu helfen in diesem grossen, denkwürdigen Kampfe, in welchem hinter der Regierung in der Vertretung im Reichstage alle politischen Parteien mit Ausnahme des Zentrums und der Sozialdemokratie stehen. Wir glauben, dass gerade die heute hier versammelten Kreise berufen sind, an der Aufklärung unseres Volkes mitzuarbeiten, an der Aufklärung darüber, wie sehr unsere koloniale Weltmachtpolilik notwendig ist.
Gestatten Sie mir als Nationalökonomen und Statistiker ein Wort in dieser Beziehung auszusprechen. Ich will, ohne in die Materie selbst einzugreifen, nur mit ein paar Zahlen darlegen, dass ich voll guter Hollnung bin, dass wir am Wahltage ein besseres Resultat erzielen können, als es bisher geschehen ist. Meine Herren! Deutschland hat bei den letzten Wahlen 12,5 Millionen Wähler gehabt. Davon verfügten die beiden Parteien, die der Regierung gegenüberstanden, über nicht mehr als 4,8 Millionen Wahlstimmen, es würden also 7,7 Millionen Wahlstimmen gegen diese beiden Parteien übrig bleiben. Warum haben nun diese nicht im Reichstage die Majorität? — Weil weit über 3 Millionen Bürger nicht gewählt haben! Bringen wir es dahin, dass endlich diese 3 Millionen ihre Schuldigkeit tun, so werden sich die Mandate im Reichstage doch wesentlich anders stellen!
Meine Herren! Ich habe nicht vor, in die Materie einzugreifen, ich habe nur noch ein Wort im Namen des provisorischen Aktionskomüees zu sagen, und das ist: ich ersuche die Versammlung, sich zu konstituieren.
Geh. Justizrat Prof. Kahl
(zur Geschäftsordnung): Ich mache den Vorschlag, den bisherigen Vorsitzenden des provisorischen Aktionskomitees zu ersuchen, auch heute in dieser Versammlung den Vorsitz zu führen. (JBeiiäll.)
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