Am 27. Dezember 1906 erging folgende
Einladung.
In der Krisis, die das Deutsche Reich heute durchzumachen hat, spielt dl« Frage der Kolonialpolitik eine wesentliche Bolle.
Die Politik, die unserm Vaterlande so bedeutende überseeische Interessen gab, erseheint bei wissenschaftlicher rnd geschichtlicher Betrachtung nicht als eine Folge persönlicher Neigungen und Liebhabereien leitender Staatsmänner, sondern als ein Ergebnis der Entwicklung des deutlichen Nationalbewusstseins wie der deutschen Volkswirtschaft, des deutschen Handels, der deutschen Schiffahrt, des deutschen Exports; in allen grösseren entwickelteren Staaten Europas und Amerikas sind Ähnliche weltpolitische Tendenzen zu Tage getreten.
Das deutsche Volk, das erst allmählich in diese Stellang hineinwächst, ist aufzuklären darüber, dass an eine Preisgabe der Weltmachtsteilong und insbesondere der Kolonien nicht mehr zu denken ist, wenn ea sich nicht selbst preisgeben will. Man mag über einzelne Fragen der Weltpolitik denken wie man will, die weltpolitisch» Tendenz in unserer Staatspolitik wird man nie und nimmer aufhalten können.
Von gegne' isoher Seite wird man sich bemünen. den Wert unserer Kolonien überhaupt möglichst herabzusetzen; man wird allea »ersuchen, um das ohnehin er*t in kurzer Entwi'-Rlung begriffene Verantwortungsgefühl des deutschen Volkes für seine Weltmaehtstellung zu ersticken.
Hier muss eine Gegenaktion einsetzen.
Von den einzelneu politischen Parteien werden wohl im „Wahlkampf auch andere Fragen, bes. die der inneren Politik aufgerollt werden. Über diese Fragen denken auch die Unterzeichner dieser Einladung verschieden und sind überzeugt, dass auch in dem neuen Reichstag diese alten Gegensatze wirtschaftlicher und politischer Natur fortbestehen werden und müssen; einig aber sind sie in dem Punkte, dass eine starke und entschlossene Majorität zur Durchführung der Kolonialpolitik für die Zukunft des deutschen Volkes unentbehrlich und unerlässlich ist.
Unsere Gegenaktion gegen das kleinmütige Begehren Deutschland auf eine blosse Bincenpolitik zu beschränken und dMmit die Lebensfähigkeit unseres Volkes, das jährlich fast um eine Million Seelen wächst, zu unterbinden, soll in die weitesten Kreise des Volkes über unsere Koloi.ialpolitik Aufklärung bringen.
Wenn Sie mit dem Plane einer solchen Gegenaktion einverstanden sind und wenn Sie es für richtig halten, dass die Vertreter der Wissenschaft, der Kunst und der Literatur, der liberalen Berufe, versuchen ganz unabhängig von ihrei Partei- Btellung gemeinsam ihre Ueberzeugnng in die Wagsohale des öffentlichen Kampfes zu werfen, so laden wir Sie ergebenst ein, am
Dienstag, den 8. Januar abends 8 Uhr in dem Konzertsaale der Kgl. Akad. Hochschule für Musik
KU erscheinen und mit uns Unterzeichneten die Frage, was geschehen soll, zu beraten. Entsprechend unserem Plane sind die Führer der politischen Parteien nicht eingeladen. Die Hauptsaohe wird sein festzustellen, was die gela 'enen Kreise tun sollen, wie sie die öff»ntliche Meinnng durch Erklärungen, durch Flugblätter, Vorträge etc. hier und auswärts beeinflussen können, welche Ausführungsorgane von der Versammlung hierfür gewählt und mit Mandat versehen werden sollen.
von Bergmann, WirkL Geh. Bat, O. Prof. d. Med. a. d. Universität Berlin. Bode, Geh. Beg.-Rat, Dir. ktor der Kgl. Museen Heinrich Brunner, Geh- Justiz-Rat, 0. Prof a. d. Universität Berlin. Haas Delbrück. O. Prof. a. d. Universität Berlin. Heinrich (»ernburg, Geh. Justiz-Rat, O. Prof. a. d. Universität Berlin. Oswald Flamm, O. Prof. a. d. Techn. Hochschule Charlottenburg. Ernst Francke, Prof. Otto Gierke, Geh. Justiz-Rat, O. Prof. 8. d. Universität Berlin. Granti, Geh. Reg.-Rat^ 0. Prof., Rektor a, d. Techn. Hooh- sohule Charlottenburg Adolf Haruack, n irkl. Geh Ob-Reg.-Bat, O. Prof. a, d. Univ. Berlin. Jastrow, Prof., Rektor d. Handels-Hochschule Berlin. Joseph Joachim, Prof., Direktor d. Kgl Akadem. Hochschule für Musik. Julius ßaftan, 0. Prof., Rektor der Universität Berlin Wilhelm Kahl, Geh. Justiz-Rat, O. Proi. a. d. Universität Berlin- Arthur Kampf, Prof., Mitglied des Senats der Kgl. Akademie der Künste. Helarien Kayaer, «eh. Baurat. E. Lampe, Geh. Res -Bat, O Prof. a. d. Kgl. Techn. Hochschule. Lenz, O. Prof. a. d. Universität Berlin Max Liebermann, Prof. Alfred Messel, Prof. Walther Nernst, O Prof. a. d. Universität Berlin. B. Olshausen, Geh. Med.-Bat, O Prof. a. d. Universität Berlin. Albreclit Penck, O. Prof. a. d Universität Berlin Ludwig Fletsch, Prof. Prensg, Privat.-Dozent a. d Universität Berlin. Alois Stiehl, Geh. Reg.- Bat, O. Prof. a. d. Universität Berlin. Max Korinff, O. Prof a. d. Universität Berlin. F. Schaper, Prof., Mitglied d Senats d. Kgl. Akademie der Künste. Dietrich Schäfer, Grossherz Bad. Geh. Rat, O Prof a. d. Universität Berlin. Theodor Schiemann, O. Prof. a. d. Universität Berlin. Erleb Schmidt, Geh. Beg.-Bat, O. Prof. a. d. Universität, Berlin. Gustav Schmoller, O. Prof. a. d. Universität Berlin. Adolph Wagner. Geh. Beg.-Rat, O. Prof. a d. Universität Berlin. Anton v. Werner, Wirkl. Geh O. Beg.-Bat, Direktor d. Kgl. H ichschule tür die bildenden Künste. Ulrich r. Wllamowitz-Möllendorff, Geh. Reg-Rat, O. Prof. a. d, Universität Berlin. Ernst r. Wildenbruch, Geh. Leg.-Rat a. D. Wilhelm Waldeyer, Geh. Med.-Rat, O Prof. a. d. Universität ßeriin. Julius Woiff, Prof. Franz Schwächten, Geh. Baurat. Ludwig Monzel, Prof. Felix Schmidt, Prof. Bichard Straoss, Kgl. Kapellmeister.