Druckschrift 
Afrikanische Verkehrspolitik : unter Benutzung amtlichen und anderen Materials / von Arthur Dix
Entstehung
Seite
72
Einzelbild herunterladen
 

72

sein, in welches Verhältnis in fernerer Zukunft beispielsweise unsere südwestafrikanischen Bahnen zu denjenigen Britisch-Süd- und -Zentral­afrikas zu treten vermöchten, unsere ostafrikanischen zur Kap-Kairo­bahn, diejenigen Kameruns zu den französischen Durchgangsbahnen in Nordafrika. Die Entwicklung des afrikanischen Verkehrswesens ist auf dem Punkt, eine großzügige und einheitliche Verkehrspolitik sowohl in der Hinsicht zu verlangen, daß die Eisenbahnbauten die natürlichen Verkehrsstraßen der Binnenschiffahrt ergänzen und ihrer­seits eine Ergänzung finden in den Automobilstraßen (deren Be­trachtung unser letztes Kapitel zu widmen sein wird) wie in der Hinsicht, daß die einzelnen Eisenbahnen unter sich für die Zukunft einen gewissen Zusammenhang erstreben. Eisenbahnbau In dem Augenblick, da die Nachrichten von Dernburgs Ein- Und frage. iter " drücken auf seiner Afrikareise eine frischere Initiative auf dem Ge­biet des Eisenbahnbaues in Deutsch-Ostafrika erwarten lassen, haben sich auch wieder die wegen der Arbeiterfrage gehegten Bedenken eingestellt. Es wird notwendig sein, ihnen beizeiten zu begegnen, bevor sie hemmend auf die nun schon seit so langen Jahren hin­länglich retardierend behandelten Eisenbahnprojekte einzuwirken ver­mögen. Selbst wenn der Eisenbahnbau vorübergehend Arbeiter­mangel schafft, macht er auf die Dauer doch um so mehr Arbeits­kräfte frei, die auf den betreffenden Strecken für den so viele Menschenkräfte erfordernden Trägerdienst in Wegfall kommen.

Zwischen den großen Gebieten im Norden, in denen das Last­tier, und im Süden, in denen der Ochsenwagen als Lastenbeförde­rungsmittel benutzt werden, zieht sich durch die ganze Breite des schwarzen Erdteils ein Streifen, in dem lediglich der Mensch der Lastenbeförderung dienstbar gemacht wird. Abgesehen von Süd­westafrika, dessen teurer Ochsenwagenverkehr durch den Aufstand hinlänglich bekannt geworden ist, gehören die deutschen Schutz­gebiete in Afrika durchweg in diese Zone des Trägerverkehrs. Die in Afrika bestehenden Landverkehrswege sind nun meist noch höchst primitive und fehlen in weiten Gebieten noch ganz. Mag auch in dem außertropischen Norden und Süden des Erdteils der Straßen­bau besser entwickelt sein in dem Wüsten- und Steppengebiet und in dem ganzen tropischen Afrika handelt es sich überhaupt meist nur um Verkehrspfade und nur selten um Verkehrswege, auf welchen der Lastenverkehr, soweit er überhaupt in Betracht kommt, jedenfalls enorm teuer ist. In tropisch heißen Gegenden und da, wo die Tsetsefliege einen Zugtierverkehr unmöglich macht, kommt überhaupt nur der teure Trägerverkehr der Eingeborenen in Betracht.