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Afrikanische Verkehrspolitik : unter Benutzung amtlichen und anderen Materials / von Arthur Dix
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die Haupthäfen verbinden und von hier aus landeinwärts gehen, stellten sich bedeutend niedriger, als die der Eisenbahnen Algeriens, da hier eine geringere Spurweite gewählt worden ist.

Von den Nachbarländern Algeriens und Tunesiens hat weder Tripolis noch Marokko bisher eine Eisenbahn. Was Marokko an­betrifft, so bestimmt der Artikel 106 der Algeciras-Akte, daß die Sherifische Regierung notwendigenfalls fremdes Kapital und fremde Industrien für Bau, Verwaltung und öffentliche Arbeiten, wie Wege, Eisenbahnen, Häfen, Telegraphen und anderes wird in Anspruch nehmen müssen. Die unterzeichneten Mächte reservieren sich das Recht, dafür zu sorgen, daß die Staatskontrolle über derartig weit­tragende Unternehmungen von öffentlichem Interesse korrekt bleibt. Wie nötig in Marokko derartige Arbeiten sind, ergibt sich aus den derzeitigen Transportverhältnissen, die so primitiv sind, daß kein südamerikanischer Staat darin nicht überlegen wäre. Von fran­zösischer Seite ist ein vollständiger Eisenbahnplan für Marokko in engem Anschluß an das algerische Netz ausgearbeitet worden. Ins­gesamt sind 1200 km vorgesehen, die 120 Millionen Franken Bau­kosten erfordern würden. Bemerkenswert ist, was in bezug auf den französischen Einfluß in Marokko in der Eisenbahndenkschrift des Kolonialamts gesagt worden ist:

Marokko wird gerade in seinen Verkehrsbeziehungen in gewisser Abhängigkeit von Frankreich bleiben, denn seit der Besetzung von Tuat wird einer der wichtigsten Brennpunkte des Verkehrs in der Sahara in französischen Händen sein, es wird Marokko ein Teil seines Hinterlandes entzogen, vor allem aber wird ein neuer großer Teil der nomadischen Wüstenbewohner in Abhängigkeit von Frank­reich kommen; denn diese können diese Oasen als Stütz- und Rast­punkte, als Stellen, von welchen und über welche sie sich mit Datteln und den unentbehrlichen Rohstoffen versehen, nicht ent­behren. Von Figig aus kommt die Oasengruppe von Tafilelt, das Stammland der in Marokko herrschenden Dynastie, in Betracht. Man ziehe dazu in Erwägung, daß es eben auch nach jahrzehnte­langen Bemühungen den Franzosen gelungen ist, die Verbindung durch die Sahara zwischen Algerien und dem Sudan herzustellen. Man beachte ferner, daß die Franzosen zurzeit sich anschicken, auch vom Senegal aus ihren Einfluß über die große Wüste auszubreiten und zu befestigen. Die völlige Isolierung Marokkos gegen Inner­afrika erscheint dem Abschluß nahe."

Von seinem nordafrikanischen Besitz aus will Frankreich die saharabahnen. Fangarme seiner Eisenbahnen auch durch die einst so gering ge-