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Afrikanische Verkehrspolitik : unter Benutzung amtlichen und anderen Materials / von Arthur Dix
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Nordafrika.

Wie Frankreich im allgemeinen nächst England in Afrika am regsten gewesen ist, so hat es sich auch am meisten dem Eisenbahn­bau gewidmet. Insbesondere ist es in seinen dem europäischen Kontinent am nächsten liegenden Kolonien frühzeitig und in verhält­nismäßig ausgedehntem Umfange m'it dem Eisenbahnbau vorge­gangen. Bereits vor genau 50 Jahren unterbreitete der damalige französische Kriegsminister dem Kaiser ein Eisenbahnprogramm für Algerien, das schon damals nicht weniger als 1357 km Eisenbahnen vorsah. Die ersten beiden von Algier ausgehenden Linien gingen im Jahre 1863 in den Besitz und Betrieb der damals bedeutendsten französischen Eisenbahngesellschaften über.

Im Jahre 1879, als im ganzen rund 680 km in Betrieb waren, wurde wiederum ein großes Programm aufgestellt, das strategische Linien, Stichbahnen von den Haupthäfen nach dem Innern mit Ver­längerung nach den Grenzen von Tunis und Marokko und Er­schließungsbahnen nach dem Süden des Landes vorsah, während ursprünglich nur strategische Bahnen gebaut worden waren. Die meisten neuen Linien in Algier und Tunis basieren auf der Er­schließung von mineralischen Reichtümern des Landes, ein Zeichen für den Umschwung in der Entwicklung dieser Länder, die bis dahin rein landwirtschaftlichen Charakter hatten. Der Gesamtbau­plan kommt seiner Vollendung näher, und mehrere Linien dringen auf der Basis des Küstennetzes nach dem Süden vor. Zurzeit sind in Algerien gegen 3500 km Eisenbahnen in Betrieb, 500 im Bau und weitere 160 projektiert. Die bisherigen Baukosten beliefen sich auf 6700 Millionen Franken. Die Rentabilität der Bahnen hat sich unter anderem infolge des vorwiegend strategischen Charakters nur sehr langsam entwickelt, zumal die Tarifpolitik der ausschlaggebenden Gesellschaft der Verkehrsentwicklung ungünstig war. Auf der Grund­lage der algerischen und tunesischen Linien soll das gewaltige Pro­jekt der Saharabahn aufgebaut werden, ein Gegenstück zu der schon ihrer Vollendung näheren Kap-Kairobahn.

In Tunis begann der Eisenbahnbau mit dem Jahre 1872. Jedoch hat das Eisenbahnwesen in Tunis lange Zeit im argen gelegen, und man bemüht sich erst seit einigen Jahren, es gehörig auszu­gestalten. Es gab nicht einmal ein ordentliches Straßennetz. Zur Zeit der französischen Besitzergreifung im Jahre 1881 hatte Tunis ca. 250 km Eisenbahn, 1906 dagegen schon über 1100 km Bahn­länge. Die Baukosten für die tunesischen Linien, die im wesentlichen