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Afrikanische Verkehrspolitik : unter Benutzung amtlichen und anderen Materials / von Arthur Dix
Entstehung
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Teil unseres Schutzgebietes, das Ovamboland, werden wir immer auf einen der portugiesischen Häfen, auf Port Alexandre, ange­wiesen sein. Da ist es nun ein Glück, daß dieser Hafen gerade im portugiesischen und nicht im englischen Gebiet liegt. Es wird die Aufgabe unserer Regierung sein, durch geeignete Verhand­lungen mit der portugiesischen Regierung die Möglichkeit zu schaffen, daß durch eine Eisenbahn von Port Alexandre über den Kunene in unser Gebiet hinein das Ovamboland für uns erschlossen werde. In einer absehbaren Zeit werden wir an die Lösung der Ovambo- frage herantreten müssen, wie dies auch die portugiesische Re­gierung muß. Bei dieser Gleichartigkeit der Interessen wird es wohl möglich erscheinen, zu einem Einverständnis zu gelangen. Dann wird uns im Norden nicht begegnen können, was uns leider jetzt in unserem mittleren und südlichen Gebiet begegnet ist."

Wohl die beste bisherige Leistung auf dem Gebiet deutsch- Die otavibahn kolonialen Eisenbahnbaues war die Herstellung der Otavibahn. Sie hat sich schneller vollzogen, als nach den früheren Bauerfahrungen und der durch den Krieg bewirkten Verzögerung erhofft werden durfte. Gerade der Krieg aber, der sich zuerst als Hemmnis für den Weiterbau erwies, wurde dann nicht nur zu einem Anreiz, die Arbeiten zu beschleunigen, sondern half auch die schwierige Arbeiter­frage lösen. Die Arbeiterbeschaffung wäre ungleich schwieriger gewesen, wenn nicht die kriegsgefangenen Hereros hätten heran­gezogen werden können. So war es möglich, die 330 km lange Strecke von Omaruru nach Tsumeb in einem knappen Jahr zu vollenden, wogegen für die erste, um ein Drittel kürzere Strecke bis Omaruru eine Bauzeit von zwei Jahren nötig gewesen war.

Die Otavibahn ist die längste, zugleich aber am schnellsten und billigsten gebaute koloniale Kleinbahn. Nachdem man jahre­lang geschwankt hatte, ob nicht die Otaviminen von dem portu­giesischen Hafen Port Alexandre aus erschlossen werden sollten, sich aber schließlich wegen der zu hohen Kosten für die Ver­bindung mit Swakopmund entschlossen hatte, wurde der Bau von der Firma Arthur Koppel im Jahre 1903 in Angriff genommen. Im November 1906 war die ganze, 578 km lange Linie betriebs­fertig, so große Hemmnisse auch die Arbeiterfrage, die Entlöschung des Baumaterials aus den Dampfern in Swakopmund und die Wasser­beschaffung bereitet hatten.

Während des Baues mußte das Trinkwasser teilweise mit Ochsenkarren auf 50 bis 60 km Entfernung herangeschafft werden. Mehrfache Bohrversuche führten zu keinem Ergebnis. An einzelnen

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