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Afrikanische Verkehrspolitik : unter Benutzung amtlichen und anderen Materials / von Arthur Dix
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dessen Hauptbestandteil ein endloses Drahtseil für den Transport der Güter ist, gestattet einen Transport von Waren aller Art von Schiff zu Schiff auf hoher See in Fahrt und ein Übergeben von Lasten vom Schiff zur Küste und umgekehrt da, wo es den Schiffen wegen der Brandung usw. unmöglich ist, an der Lade- und Lösch­stelle direkt anzulegen. Von Wert ist er namentlich da, wo ein Leichterverkehr zwischen Schiff und Land unmöglich oder doch sehr schwierig ist. Ohne Rücksicht auf Brandung, Ebbe und Flut kann hier die Landung und Verschiffung von Gütern leicht vonstatten gehen. Auf die Dauer kann aber nur ein gründlicher Ausbau des Hafens wirkliche Abhilfe bringen.

Die SwakopmundWindhuker Eisenbahn hätte aber freilich auch Die südbahn bei weit günstigeren Landungsverhältnissen in Swakopmund den Anforderungen der Kolonie nicht entfernt genügen können. Es bedurfte vor allen Dingen einer Verbindung des Hinterlandes im Süden mit dem einzig brauchbaren deutschen Hafen an der West­küste, mit Lüderitzbucht. Wäre diese Verbindung auf Schienen geschaffen worden, so hätte der große Aufstand, wenn er überhaupt ausgebrochen wäre, uns nicht annähernd die Kosten und Opfer auf­erlegen können, die wir in Ermangelung der Bahn tragen mußten. Vergebens haben einsichtige Kolonialfreunde jahrelang auf den Bau der südwestafrikanischen Bahn gedrängt; vergebens waren auch die schriftlichen Berichte und telegraphischen Mahnungen des Ge­nerals v. Trotha die Regierung wagte nicht, mit entsprechenden Forderungen an den Reichstag heranzutreten, und wenn sie es endlich tat, vertrat sie solche Forderungen nicht mit dem notwendigen Nachdruck. General v. Trotha selbst hat es ausgesprochen, daß er in dieser Frageungezählte Schreiben und Telegramme" nach Berlin gerichtet hat, bis endlich mit der Südbahn begonnen wurde, und zwar am 27. Dezember 1905. Seine letzten, entscheidenden Be­richte trafen bereits im Februar 1905 in Berlin ein. Mit zwingender Gewalt drängten sie der Regierung die Erkenntnis auf, daß eine Eisenbahn von Lüderitzbucht nach Keetmanshoop gebaut werden müsse. Sogleich aber zeigte sich auch, daß die bisher immer für unüberwindlich gehaltenen Schwierigkeiten doch überwunden werden könnten. Die Regierung setzte sich mit der Industrie in Verbindung, und die leitenden Baufirmen für Kolonialbahnen fanden in der Tat alsbald einen Ausweg. Daraufhin wurde im Hoch­sommer des Jahres 1905 in kolonialpolitischen Kreisen die sofortige Einberufung des Reichstags angeregt, um den Bau der Lüderitz- buchtbahn zu sichern.