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Afrikanische Verkehrspolitik : unter Benutzung amtlichen und anderen Materials / von Arthur Dix
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Ostafrika noch vollständiger durchgeführt werden, wenn entweder die Engländer uns mit einer Bahn vom Victoriasee aus ostwärts zuvorkommen, oder aber der Kongostaat sich wirklich einen direkten Zugang zum Victoriasee verschafft.

Noch immer ist nach vieljährigem Streit die Frage, ob der Nord­oder der Zentralbahn der Vorzug zu geben sei, nicht entschieden. Indessen gilt die Entscheidung als unmittelbar bevorstehend. Aus­schlaggebend wird der Eindruck sein, den der Kolonialdirektor Dern- burg von seiner ostafrikanischen Reise mitbringt. Im wesentlichen aber wird es sich dabei nur um eine Prioritätsfrage handeln können; denn daß mit der Zeit beide Bahnen zum weiteren Ausbau drängen, kann denn doch wohl kaum mehr zweifelhaft sein. Mag aber bis zur Stunde die Streitfrage: Nord- oder Zentralbahn? noch als un­entschieden gelten, so sollte über die unbedingte Notwendigkeit des schleunigen Baues einer Südbahn nach dem Nyassasee ein Streit schlechterdings nicht mehr möglich ^ein. Die südbahn. Die Eisenbahndenkschrift des Kolonialdirektors nimmt zwar grundsätzlich keine Stellung zu der Frage der Prioritätsrechte; gleich­wohl läßt auch ihr sachlicher Inhalt den aufmerksamen Leser klar erkennen, daß der Bau der Südbahn die zurzeit weitaus dringlichste Aufgabe unserer afrikanischen Eisenbahnpolitik bildet.

Sehen wir den Anfang einer deutschen Verbindung zwischen der Küste und den Binnenseen wenn auch nur in bescheidenstem Maßstabe durchgeführt im Norden des Landes in der dem Victoria­see zu gerichteten Usambarabahn, im Zentrum in der dem Tanganika zueilenden" Eisenbahn DaressalamMorogoro, so fehlt es im Süden in der Richtung auf den Nyassasee noch an jedem Anfangsstück. Aber während uns im Norden die britische Ugandabahn zuvor­gekommen ist und am Tanganikasee der Kongostaat nicht zögern will, den Verkehr westlich abzulenken, vermöchten wir im Süden möglicherweise den stockenden portugiesischen Plänen immerhin noch zuvorzukommen.

Seien wir jenen unterirdischen Gewalten dankbar, die im portu­giesischen Grenzgebiet so erheblich größere Schwierigkeiten auf­türmten als im deutschen. Aber vergessen wir nicht, daß, wenn wir zu zögern fortfahren, vom englischen Kapital auch diese Schwierig­keiten überwunden werden dürften, und daß wir dann immer noch zu unserem schönen Schulbeispiel einer allseitig durch die Nach­barn während des deutschen Zögerns vollführten Verkehrsentziehung kommen können. Heute haben wir zu unserer Kolonialverwaltung das Zutrauen, daß sie nicht mehr in der alten Energielosigkeit