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Afrikanische Verkehrspolitik : unter Benutzung amtlichen und anderen Materials / von Arthur Dix
Entstehung
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Die Sache ging nun aber weiter; zu der Entziehungskur von Norden und Westen her drohte eine gleiche im Süden, da englisches Kapital sich rege für den Bau einer Bahn in Portugiesisch-Ost- afrika nahe der deutschen Grenze interessierte. Wären hier die tech­nischen Bauschwierigkeiten nicht ungleich größer, als in dem an­grenzenden deutschen Gebiet, so hätten wir ohne Frage auch hier bereits seit Jahren die Konkurrenz und könnten nun zusehen, wie uns von allen Seiten der Verkehr weggenommen wird.

Das wäre ein lehrreiches Schulbeispiel für deutsche Kolonial­politik der versäumten Gelegenheit. Man könnte allerorten eine Wandkarte von Deutsch-Ostafrika nebst Nachbargebieten anschlagen, damit auch der Laie sich durch den Augenschein davon zu über­zeugen vermag, wie es nicht gemacht werden darf.

Unser größter Lehrmeister in der entschlossenen, tatkräftigen, Die uganda­wagemutigen und großzügigen Behandlung kolonialer Verkehrsfragen bahn ' War Großbritannien mit dem Bau der Ugandabahn.

Die Entwickelung von Britisch-Ostafrika in den letzten Jahren ist ein typisches Beispiel für englische Kolonisationsmethoden, für die Willigkeit des englischen Volkes oder, vielleicht besser ge­sagt, für die Geschicklichkeit englischer Staatsmänner, dem Volke die Sache schmackhaft zu machen in der Gegenwart große Opfer auf sich zu nehmen, um die Zukunft einer Kolonie auf einer breiten, sicheren Basis aufzubauen. Da wir in Deutsch-Ostafrika die aller­nächsten Nachbarn sind, so sollten wir das englische Vorgehen aufs genaueste studieren, sei es nur, um gewisse Fehler, die ohne Zweifel von englischer Seite gemacht wurden und auch noch ferner gemacht werden, zu vermeiden.

Die bisherige Geschichte Britisch-Ostafrikas ist kurz. 1888 unter der Britischen Ostafrikanischen Gesellschaft als ein Protektorat be­gründet, ging die Verwaltung der Kolonie 1895 in die Hände des Auswärtigen Amtes über, um zehn Jahre später von dem Kolonial­amt übernommen zu werden. Noch vor wenigen Jahren ein fast gänzlich unbekanntes Land, unter der Ägide des Auswärtigen Amtes vernachlässigt, größtenteils als ein unwirtliches Steppenland ange­sehen, gänzlich ungeeignet zu einer weißen Ansiedelung, veränderte die Fertigstellung der Ugandabahn, die von Mombassa, dem besten Hafen an der Ostküste Afrikas, nach Port Florence am Victoria Nyanza in einer Länge von 584 englischen Meilen die Kolonie in ihrer ganzen Breite durchkreuzt, das Bild mit einem Schlage. Es stellte sich heraus, daß das Land, besonders in der Nähe der Eisenbahn, in eminenter Weise zur weißen Besiedelung geeignet