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Afrikanische Verkehrspolitik : unter Benutzung amtlichen und anderen Materials / von Arthur Dix
Entstehung
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Laufe der Jahre derartig ab, daß von Handelsbeziehungen im großen Maßstabe zwischen dem Ost- und Westufer des Tanganika heute nicht mehr die Rede sein kann. Udjidji verlor somit von Jahr zu Jahr an Bedeutung, und der einzige Handelszweig, der den indischen und arabischen Kaufleuten geblieben ist, ist ein kräftiger Schmuggel nach dem Kongostaat. Da die Kongolesen ihre Ost­grenze nicht übermäßig scharf bewachen, ist es ein Leichtes, Waren über den See in ihr Gebiet zu schmuggeln. Als Gegenwert wird Kautschuk auf demselben ungesetzlichen Wege aus dem Kongo­staat zu uns herüber gebracht, und zwar handelt es sich dabei um recht beträchtliche Mengen. So sollen in den Monaten Juni bis Oktober (1906) etwa 150000 lbs. Kautschuk aus dem Kongo­staat herübergeschmuggelt worden sein, die über Tabora nach Ba- gamojo gegangen sind. Es ist übrigens dem Kongostaat genau be­kannt, daß viel Kautschuk über den Tanganika geschmuggelt wird, und ich erfahre, daß man jetzt einen Zollkreuzer auf dem See stationieren will, um die Küsten besser überwachen zu können. Sobald die Kongolesen dies tun und gegen gefaßte Schmuggler mit bekannten harten Strafen vorgehen, hört der Kautschukschmuggel bald auf, und dann ist es mit dem Handel Udjidjis so ziemlich vorbei."

Bis vor wenigen Jahren, d. h. vor der Schaffung einer Eisen- Oer Nyassa- bahnverbindung zwischen der Küste und dem Victoriasee, war der Nyassa der verkehrsreichste unter den ostafrikanischen Binnenseen. Hier hatte die deutsche Flagge auch zeitig einen Anteil durch den GouvernementsdampferHermann von Wißmann" mit 50 Tonnen Ladefähigkeit und Raum für sieben Passagiere. Ferner hat die obengenannte britische Seengesellschaft auch hier einen Dampfer in Betrieb, dieQueen Victoria", die einen zehntägigen Verkehr zwischen Fort Johnston und allen Handelsplätzen am Nyassa unterhält. Die beiden englischen Gouvernementsdampfer, die außer­dem fahren, dienen nicht dem öffentlichen Verkehr. Im besten Ver­kehrsjahr erzielte der DampferHermann von Wißmann" nahe an 100000 Rp. Einnahme, doch ist der Verkehr in den letzten Jahren sehr zurückgegangen. Immerhin übertrifft er die relativ geringen Ausgaben so weit, daß er auch bei reichlich bemessenen Ab­schreibungen hübsche Überschüsse erzielt. Der zurzeit flaue Ver­kehr auf dem See wird ohne Frage einen großen Aufschwung nehmen, sobald auch dieser See in direkte Eisenbahnverbindung mit der östlichen Küste getreten sein wird.