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der afrikanischen Ostküste zu verbinden, rückten weitaus am langsamsten vorwärts, obgleich gerade Deutsch-Ostafrika, als an alle drei Seen grenzend, am meisten zur Erschließung ihres Verkehrsgebiets berufen erscheint.
Im Gegensatz zu jenen großen Teilen der afrikanischen Ströme, deren Schiffbarkeit von der Jahreszeit abhängig ist, bilden die drei größten Binnenseen Afrikas ein allzeit benutzbares Wasserstraßensystem, dessen Bedeutung hinlänglich dadurch illustriert wird, daß der Tanganikasee eine Länge von 600, der Nyassasee eine solche von 500 km hat und die Fläche des Victoriasees ungefähr derjenigen des Königreichs Bayern entspricht. Wenn ,nun auch diese Seen untereinander in keiner schiffbaren Verbindung stehen, so beträgt die Entfernung zwischen dem Tanganikasee und jedem der beiden anderen doch nur je ^300 km, sodaß sie gemeinsam ein innerafrikanisches Verkehrsgebiet von gewaltiger Ausdehnung beherrschen.
Der victoria- An den großen Verkehr ist von ihnen zuerst der Victoriasee angeschlossen worden, und zwar durch die Ugandabahn, die ihm in kurzer Zeit die größte Verkehrsbedeutung unter den ostafrkani- schen Binnenseen verliehen hat. Ebenso wie die Briten zuerst die Eisenbahnverbindung zwischen diesem See und der Küste geschaffen haben, so haben sie in weitestem Umfange auch den Schiffsverkehr auf dem See selbst entwickelt, wogegen Deutschland sich seinen natürlichen Anteil vollkommen hat entgehen lassen. Unsere ganze „Flotte" auf dem Victoriasee beschränkt sich auf eine einzige Aluminium-Dampfpinasse „Ukerewe". So vollzieht sich in dem deutschen Haupthafen Bukoba der Verkehr fast ausschließlich (11421 von 11 577 Tonnen) unter britischer Flagge, und selbst in dem deutschen Muanza haben die Engländer das Geld für einen Pinassebau hergegeben, um auf deutschem Gebiet zu einer ordentlichen Landung Gelegenheit zu erhalten. Die Ugandabahnverwaltung selbst unterhält zurzeit zwei 600 Tonnen große Doppelschraubendampfer auf dem See, die regelmäßig außer den englischen Hauptplätzen auch die deutschen Häfen Schirati, Muanza und Bukoba anlaufen und demnächst durch einen dritten größeren Dampfer ergänzt werden sollen.
Über den Umfang der Schiffahrt auf dem Viktoriasee berichtete Paul Fuchs als Eisenbahnexpert des Kolonislwirtschaftlichen Komitees nach seiner Studienreise von 1906/07:
„Die englischen Dampfer „Sybil" und „Wmifred" laufen die deutschen Plätze des Sees zweimal im Monat an, und zwar
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