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Südafrika : eine Landes-, Volks- und Wirtschaftskunde ; mit 47 Abb. auf Taf., 34 Karten u. zahlr. Profilen / von Siegfried Passarge
Entstehung
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2 g 0 XXVI. Kapitel.

Auf der Abdachung gegen die Kalahari hin liegt das Fort Princeza Amelia und jüngst ist auch ein anderes Fort im portu­giesischen Owambolande errichtet worden. Das sind die äußersten Vorposten der portugiesischen Macht. Denn der größte Teil An­golas, nicht nur der Hochflächen, sondern auch der Stufenland­schaften, ist nur nominell Portugal Untertan. Die Eingeborenen sind zum größten Teil noch so weit selbständig, daß Krieg und Raubzüge an der Tagesordnung sind. Haben doch noch im vorigen Jahre die Portugiesen durch die Owakwangari, die ganz besonders gefürchtete Räuber sind, eine vernichtende Niederlage erlitten. Indes geht die Regierung jetzt wieder mit mehr Zielbewußtsein und Erfolg gegen diese Stämme vor.

Im Jahre 1905 betrug der Export Angolas 5 100000 Millreis, der Import 5 500000 Millreis. Die exportierten Produkte waren Kaut­schuk, Fische, Vieh und Gold. Voraussichtlich wird in den nächsten Jahren die Kolonie einen ungeahnten Aufschwung nehmen. Die mit englischem und französischem Gelde gegründete Companhia de Mossamedes, die schon jetzt den Kautschuk hauptsächlich aus­beutet, ist auch im Besitz einer Konzession für Ausbeutung der Goldfelder am Tschitanda. Dort sind goldhaltige Quarzgänge in kristallinen Schiefern entdeckt worden und diese sollen den Ab­bau lohnen. Man hat daher den Bau einer Bahn ins Auge gefaßt, durch welche der ganze Süden Angolas erschlossen werden würde. Ihr natürlicher Ausgangspunkt würde Mossamedes sein. Auch der Norden unseres Schutzgebietes, namentlich das Owamboland, würde voraussichtlich sehr bald in wirtschaftliche Abhängigkeit von dieser Bahn geraten.

Noch viel großartiger ist aber die Zukunft der Bahn, die mit aller Energie von einer englischen Gesellschaft bereits gebaut wird. Sie geht von der noch fast unbekannten Bucht Lobito aus, die nördlich von Benguela gelegen ist, ersteigt das Hochland auf dem nächsten ,Wege und wird dann über Bihe" auf der geographisch vorgeschriebenen Straße, welche die Südäquatoriale Wasserscheide bildet, Katanga erreichen. Es kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß gerade diese Bahn die allergrößte Zukunft besitzt und nicht nur den Handel Angolas, sondern auch den des süd­lichen Kongobeckens an sich reißen wird.

Deutsch-Südwestafrika.

Die Westküste zwischen dem Kunene und dem Oranje wird von der deutschen Kolonie eingenommen, die sich nach O. bis