Die portugiesischen und deutschen Kolonien.
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Teile im portugiesischen Gebiet der Ostküste gehören nur nominell zu den Kolonien, in Wirklichkeit sind die Häuptlinge selbständig und Kriege und Raubzüge immer noch keine Seltenheit.
Mit der Umgestaltung der Kultur geht auch eine Umwandlung des religiösen Lebens Hand in Hand. Denn daß die Religion auch auf die Wirtschaftsreform wirkt, sobald bei der Bestellung des Ackers die Hacke mit dem Pfluge vertauscht wird und die Feldarbeit aus der Hand der Frau in die des Mannes übergeht, ist bereits wiederholt betont worden. In Südafrika läßt sich diese Veränderung jedenfalls überall beobachten. Durch die zahlreichen Missionsgesellschaften, deren Stationen über den größten Teil Südafrikas verbreitet sind, und die vorwiegend der protestantischen Kirche angehören, ist nicht nur die christliche Religion, sondern auch bis zu einem gewissen Grade die europäische Bildung unter den Schwarzen verbreitet worden. Sehr viele Schwarze können lesen und schreiben und zwischen den verschiedenen Stämmen und Völkern findet bereits ein reger brieflicher Verkehr statt. Von den Missionszöglingen sind viele selbst Geistliche geworden und als Missionare und Lehrer unter ihren Stammesgenossen tätig. So hat sich denn in weiten Gebieten das Christentum eingebürgert, wenn auch das Heidentum bei weitem überwiegt. Starke christliche Gemeinden finden sich im Burenhochlande und namentlich auch bei den Hottentotten in Groß-Namaland. In anderen Gebieten sind die christlichen Einflüsse sehr stark und dringen siegreich vor, so im Damaraland, im Sululand, im östlichen Transvaal und in den portugiesischen Kolonien. Allerdings ist es in hohem Grade bemerkenswert, daß es in ganz Südafrika keine so gebildeten Schwarzen gibt, die als Rechtsanwälte, Großkaufleute, Ärzte u. s. w. leben, wie sie in den englischen Kolonien der tropischenWestküste keine Seltenheit mehr sind. Es macht fast den Eindruck, als wäre der westafrikanische Neger bildungsfähiger als der Südafrikaner.
XXVI. Kapitel.
Die portugiesischen und deutschen Kolonien.
"Wir kämen nun zu dem letzten Abschnitt, nämlich zu der Darstellung der Kolonien, die sich auf afrikanischem Boden gebildet haben. Heutzutage gibt es kein Gebiet mehr, in welchem ein offiziell anerkanntes Eingeborenenreich bestände,