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Südafrika : eine Landes-, Volks- und Wirtschaftskunde ; mit 47 Abb. auf Taf., 34 Karten u. zahlr. Profilen / von Siegfried Passarge
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Die europäische Kultur. 269

Mcnomotapa unterirdisch im Innern von Plattformen angelegt wurden. Man denke an ähnliche Vorgänge im heutigen Ostafrika.

Fragt man sich, welche der beiden Auffassungen, die Ma- civers oder die hier geäußerte, die größere Wahrscheinlichkeit für sich habe, so möchte ich glauben, daß es die letztere ist. Denn zweifellos steht die Simbabyekultur in Südafrika als ein Fremd­ling da. Sie ist von auswärts gekommen, und es ist ganz un­wahrscheinlich, daß sie sich aus kleinen Anfängen heraus in Süd­afrika selbst entwickelt habe. Ist es doch für die Kulturgeschichte Afrikas geradezu charakteristisch, daß fremde Kulturen ein­wandern, um auf afrikanischem Boden zu verkümmern, zu ver- negern, .unterzugehen, anstatt sich weiter zu entwickeln.

Vor allem wird es wichtig sein, wie bereits oben erwähnt, festzustellen, wo sich die arabischen Glasperlen und das chinesische Porzellan finden. Sodann aber wird es notwendig sein, die Sim­babyekultur näher zu untersuchen, ihre Beziehungen zu der Kultur der heutigen Südafrikaner, sowie zu der des übrigen Afrika fest­zustellen. So wird es vielleicht gelingen, das interessante Problem zu lösen.

XXV. Kapitel.

Die europäische Kultur.

Es ist eine bekannte Erscheinung, daß die Kultur höher stehender Völker auf niedrigere Kulturen vernichtend einwirkt und sie zerstört. Auch in Afrika ist der zersetzende Einfluß überall deutlich, am meisten aber wohl in Südafrika, weil sich dort eine weiße Landbevölkerung gebildet hat, die mit den Eingeborenen in innigem Verkehr lebt. Deshalb sind die Afrikaner gerade hier in dem europäischen Kulturkreis z. T. ganz aufgegangen und ihre eigentliche ursprüngliche Kultur bis zur völligen Vernichtung umge­wandelt worden. Der europäische Einfluß erstreckt sich einerseits auf das Land und die Ausnützung seiner Hilfsquellen, andererseits aber auch auf die Eingeborenen und ihre Kultur.

I. Der europäische Einfluß auf das Land und die Erschließung seiner Hilfsquellen.

I. Schaffung von Verkehrsmitteln. Die erste Grundbedingung für jede Kolonialisation ist die Schaffung von Verkehrsmitteln und auf diesem Gebiete ist