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Südafrika : eine Landes-, Volks- und Wirtschaftskunde ; mit 47 Abb. auf Taf., 34 Karten u. zahlr. Profilen / von Siegfried Passarge
Entstehung
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XXIII. Kapitel.

Die soziale und politische Organisation in Südafrika.

Sehen wir nun zu, auf welcher Kulturstufe sich die Eingeborenen Südafrikas befinden. Die Grundlage der sozialen und politischen Organisation bildet die Sippe mit Vaterfolge. Die Sippe selbst besteht aus einzelnen verwandten Familien. An der Spitze der Sippe steht ein Oberhaupt, das die Sippe nach außen hin vertritt und innerhalb derselben Streitigkeiten schlichtet und Vergehen ge­linderer Art bestraft.

Nun sind aber deutliche Anzeichen vorhanden, daß früher die matriarchalische Sippenorganisation bestanden hat. Am klarsten zeigt sich dieses bei den Herero. Das ganze Volk der Owaherero ist in acht Gruppen Omaanda eingeteilt, jede Eanda Singular von Omaanda umfaßt alle von einer Stammutter ab­stammenden Individuen. Die Eanda ist also nichts anderes als eine matriarchalische Sippe. Über die Entstehung der Omaanda und die Begründung ihrer Namen gibt es sehr altertümliche Sagen. Die Eanda bildet heutzutage keinen Verband von Verwandten mehr, der äußerlich in Erscheinung tritt, vielmehr ist auch bei den Herero die patriarchalische Sippe zur Herrschaft gelangt, allein jeder Herero weiß ganz genau, welcher Eanda er angehört, und in das prak­tische Leben greift die alte Organisation noch insofern sehr fühl­bar ein, als die Erbschaftsregulierung sich nach ihr richtet. Außer­dem ist es sehr bemerkenswert, daß bei der Thronfolge von Stam­meshäuptlingen die Mutterfolge maßgebend ist. Thronfolger wird also der älteste Sohn der ältesten Schwester des Häuptlings oder, falls Schwesterkinder nicht vorhanden sind, der älteste Bruder des Häuptlings.

Die Omaanda finden sich unter genau demselben Namen bei den Owambo und vielen Stämmen des Kongobeckens. Auch die Sagen über ihre Entstehung sind dieselben wie bei den Herero. Bei den Betschuanen, den Amakosa und den Suluvölkern tritt da­gegen die alte matriarchalische Organisation nicht so stark in den Vordergrund. Immerhin bildet auch dort der ganze Stamm ur­sprünglich eine große matriarchalische Sippe, da er ursprünglich alle, von einer Stammutter herkommenden Individuen umfaßt. Die Thronfolge ist aber bereits die patriarchalische. Denn die Häupt­linge müssen zwar von der Stammutter abstammen, aber Nach­folger wird jedesmal der älteste Sohn des verstorbenen Häuptlings, und erst wenn Söhne nicht vorhanden sind, der Bruder.

Totemismus, der für die matriarchalische Sippe in Amerika