XXIII. Kapitel.
Der ursprüngliche Kulturbesitz der Eingeborenen Südafrikas.
Hier, wie überall, hat die europäische Kultur auf die der Naturvölker zersetzend eingewirkt und es ist in vielen Fällen nicht mehr leicht zu erkennen, welches die ursprünglichen Kulturverhältnisse gewesen sind, da die Berichte aus den ersten Jahrhunderten sehr mangelhaft sind. So wissen wir z. B. von der Kultur der Hottentotten außerordentlich wenig und es wird uns niemals gelingen, dieselbe vollständig zu rekonstruieren. Immerhin kann man sich in großen Zügen ein Bild von der ursprünglichen eingeborenen Kultur Südafrikas machen.
Entscheidend für den Kulturbesitz eines Volkes ist seine Wirtschaftsform, denn von dieser hängen die Geräte, die gebraucht werden, die Kleidung, Bewaffnung und Wohnart ab. Aber auch die sozialen und politischen Verhältnisse, ja selbst die Religion, steht in engster Beziehung zu der Wirtschaftsform. (Karte 27.)
Es ist von großem Interesse, daß in Südafrika noch die primitivsten Wirtschaftsformen vorkommen und in ihrem Verhältnis zu den höheren studiert werden können. Wir haben dort Sammler und Jäger, Fischer, Hackbauer und Hirtenvölker, die teils wirtschaftlich selbständig dastehen, teils aufeinander angewiesen sind.
Sammler, Jäger und Fischer. In der ersten Zeit war der Mensch zweifellos Sammler, allein neben dem Einsammeln unbelebter Gegenstände, wie Knollen, Früchten, Vogeleiem u. s. w. werden auch leicht zu fangende Tiere, wie Frösche, Schildkröten, Raupen, Insekten und dergleichen mitgenommen. Unmerklich wird so der Sammler zum Jäger, indem er sich zum Einfangen und Erlegen von Tieren gewisser Hilfsmittel bedient. Sammeln und Jagen ist eine Beschäftigung sämtlicher Eingeborener Südafrikas, wie das in dem wildreichen Lande nicht anders denkbar ist. Allein während der größte Teil der Völker eine solche Beschäftigung nur nebenbei betreibt, gelegentlich oder als Sport, sind die Buschmänner bis zum heutigen Tage ausschließlich Jäger und Sammler geblieben. Jede andere Beschäftigung liegt ihnen fern.