Druckschrift 
Südafrika : eine Landes-, Volks- und Wirtschaftskunde ; mit 47 Abb. auf Taf., 34 Karten u. zahlr. Profilen / von Siegfried Passarge
Entstehung
Seite
243
Einzelbild herunterladen
 

Der ursprüngliche Kulturbesitz der Eingeborenen Südafrikas. 243

Armringe u. a. Im Matabelehochland aber hat seit Jahrhunderten der Goldhandel eine große Rolle gespielt, indem die Eingeborenen Goldstaub an die Araber und später an die Portugiesen verkauften.

Allgemeine Bemerkungen über die sozialen und politischen Ver­hältnisse im Beginn der menschlichen Kultur.

Bevor wir mit der Besprechung der sozialen und politischen Verhältnisse Südafrikas beginnen, wollen wir einen Überblick über die ursprünglichsten Formen solcher Verhältnisse überhaupt ge­winnen. So wird man am leichtesten ein Bild von dem Kulturzustand der Eingeborenen Südafrikas im Vergleich mit anderen Ländern gewinnen.

Die ursprünglichste Form der menschlichen Gesellschaft ist nicht bekannt. Wahrscheinlich war es nicht die monogamisch lebende Familie, sondern eine Herde, ähnlich den Herden mancher Affenarten heutzutage, z. B. der Paviane. Zahlreiche Männchen, Weibchen und Junge bilden eine solche Herde. Über deren, wenn man so sagen darf, eheliche Verhältnisse ist nichts bekannt. Daß sich solche aber schon sehr früh beim Menschen ent­wickelt haben müssen, geht wohl daraus hervor, daß selbst die am tiefsten stehenden Völker einen ausgesprochenen Abscheu gegen die Heirat zwischen Blutsverwandten haben. Eine solche Verbindung wird als Blutschande aufgefaßt und die Sünde ge­wöhnlich mit dem Tode bestraft. Wie eine solche Auffassung entstanden ist, ist ein ungelöstes Problem. Waren es religiöse Vorstellungen, die dazu führten, oder die Beobachtung, daß der Mensch bei Inzucht degeneriert ?

Bei den Tieren finden wir bereits eine ausgesprochene Arbeits­teilung zwischen den Geschlechtern. Die Männchen schützen die Herde, die Weibchen sorgen für die Jungen. Das ist bei den ersten menschlichen Horden wohl nicht anders gewesen.

Neben dem Geschlechtsunterschied bewirken auch andere Fak­toren einen Zusammenschluß von Individuen, die die gleichen Inter­essen besitzen und einander sympathisch sind. Einer der wich­tigsten Faktoren, der sehr frühzeitig zur Geltung gekommen ist, ist, wie Schurtz mit Recht betont hat, der Altersunterschied. Kinder, junge Leute, Männer, Greise schließen sich am liebsten an ihresgleichen an, einerseits des Alters wegen, und der daraus entspringenden gleichen Empfindungs- und Denkweise, sodann auch wegen der gleichartigen Beschäftigung und Interessengemeinschaft.