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Südafrika : eine Landes-, Volks- und Wirtschaftskunde ; mit 47 Abb. auf Taf., 34 Karten u. zahlr. Profilen / von Siegfried Passarge
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XX. Kapitel.

leben einer weißen Landbevölkerung mit -einer inferioren Bevölke­rung ist, so vergleiche man Afrika mit Australien. Trotz mancher Ähnlichkeiten in der Natur des Landes entwickelt sich die weiße Bevölkerung in Australien ganz anders als in Südafrika. Dort wächst eine ganz außerordentlich energische, an körperliche Arbeit gewöhnte, abgehärtete Landbevölkerung heran, denn der Austra­lier muß alles selber arbeiten, er hat keine schwarzenSchepsels", die er kommandieren kann, und die heranwachsende Jugend wird nicht durch ein minderwertes farbiges Personal schon in den ersten Lebensjahren verdorben.

Die Mischlinge und farbigen Fremden.

Eine Gruppe für sich bilden die Bastards zwischen Buren und Hottentotten. Auch mit Schwarzen haben sich diese Bastards, namentlich in den östlichen Teilen der Kapkolonie vermischt. Die Bastards zwischen Hottentotten und Weißen, sehen häufig letzteren verhältnismäßig ähnlich. Die Hautfarbe ist oft hell, fast europäisch, das Haar zuweilen sogar blond, meist allerdings schwarz und kraus, aber nicht mehr wollig. Natürlich treten Individuen von den verschiedensten Mischverhältnissen auf. In der euro­päischen Zivilisation sind sie ganz aufgegangen und an Charakter und Leistungsfähigkeit den Schwarzen und Gelben weit über­legen. Von ihren gelben Vorfahren haben sie aber jedenfalls eine auffallende Launenhaftigkeit und oft geradezu pathologische Erregbarkeit geerbt, die sich in Wutausbrüchen ohne sicht­bare Ursache äußert. Den Schwarzen gegenüber sind sie hoch­mütig und sehen auf sie mit Verachtung herab, dem Weißen gegenüber sind sie sehr empfindlich und halten sich mindestens für gleichberechtigt. Im Krieg haben sie oft großen Mut und Tapferkeit bewiesen und wiederholt haben die Engländer aus ihnen besondere Regimenter gebildet, so z. B. in den Kaffernkriegen die Cape mounted rifles.

Von farbigen Fremden wären kurz zu erwähnen die Malaien, die die Holländer in früheren Zeiten aus Java eingeführt haben. In neuester Zeit sind Hindus nach Natal und Transvaal einge­wandert, jedoch stieß ihre Einwanderung bei Schwarz und Weiß auf einen derartigen Widerstand, daß der Zuzug ganz aufgehört hat. Dafür sind aber in Johannesburg nach Beendigung des Krieges Chinesen als Arbeiter für die Goldminen angeworben und ein wichtiges Element in jener großen Stadt geworden.

Die Verteilung der Bevölkerung ist sehr verschieden.