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Südafrika : eine Landes-, Volks- und Wirtschaftskunde ; mit 47 Abb. auf Taf., 34 Karten u. zahlr. Profilen / von Siegfried Passarge
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Körperliche und geistige Eigenschaften. 203

dirbt und daher schnell aufgebraucht werden muß. Daß man ferner bei einem Gewinn, den man sich nicht im Schweiße seines Angesichts erarbeitet hat, sehr viel eher geneigt ist, Hungrigen und Bedürftigen mitzuteilen, ist eine uralte Erfahrung. Von un­erwarteten Geschenken oder Gewinnen, die ihm in den Schoß fallen, wird auch der Kulturmensch eher etwas abgeben wollen als von dem, was er sich schwer erarbeitet hat. Kommunistische Ge­bräuche werden also um so mehr vorhanden und verständlich sein, je tiefer ein Volk in der Kultur steht, und um so mehr verschwinden, auf je höhere Kulturstufe es sich durch eigene Arbeit durchgerungen hat.

Ein Punkt, der von Wichtigkeit ist, da die Kulturverhältnisse der afrikanischen Neger von ihm abhängen, ist die sehr geringe Erfindungsgabe. Wir hatten bereits gesehen, daß die Negerrasse durch eine große körperliche und geistige Passivität ausgezeichnet ist. Dieses ist insofern von Vorteil für die Rasse, als sie sich nicht leicht verdrängen und verändern läßt. Andererseits hängt aber auch mit ihr die Unfähigkeit zusammen, fremde Einflüsse aufzunehmen, umzugestalten und neues zu produzieren. So sehen wir denn, daß der Kulturbesitz der afrikanischen Neger fast aus­nahmslos nicht in Afrika erfunden, sondern nach Afrika einge­führt ist und daß eingewanderte Kulturen nicht etwa weiter fort­entwickelt werden, sondern verkümmern und verarmen. Ganz besonders ist dies in Südafrika der Fall.

Man hat für diese auffallende Erscheinung die Natur des afrikanischen Kontinentes verantwortlich gemacht, seine Einförmig­keit und den Mangel an Abwechslung, sowohl in der Oberflächen­gestaltung als auch in Vegetation und im Klima. So verlockend dieser Gedanke, den wohl Karl Ritter zum ersten Male aus­gesprochen hat, auch sein mag, so ist es doch fraglich, 'ob die afrikanischen Hochflächen und Steppen für die Ausbildung des Negercharakters wirklich verantwortlich zu machen sind. Denn einmal ist der afrikanische Kontinent über sehr weite Gebiete hin durchaus nicht so eintönig und geistestötend, sodann aber wissen wir gar nicht, wie lange die Negerrasse bereits in Afrika sitzt und ob sie ihren heutigen Charakter nicht bereits nach Afrika mitgebracht hat.

Die fremden Völker. Unter den nach Südafrika eingewanderten fremden Völkern spielen die Europäer weitaus die wichtigste Rolle. Zwar könnte