Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1913) 1415 - 1870
Entstehung
Seite
137
Einzelbild herunterladen
 

Die Eroberung und Kolonisation Algeriens 18301870 137

Sprache in den Veröffentlichungen des Ingt.it.nt) oolonial international unter dem Titel: 1,6 rsZirns tonoisr s.ux eolonies, Lruxklleg, ?arig 1904. llber die Ver- fassungs- und Verwaltungsgeschichte Algeriens besitzen wir ein erschöpfendes deutsches Werk von Hans Gmelin, die Verfassungsentwicklung Algeriens. Ab­handlungen des Hamburgischen Kolonialinstituts, Band S, Hamburg 1911. Im Anhang finden sich die wichtigsten Gesetzestexte.

1. Die Ursachen des Feldzuges von 1830.

Die Regentschaft Algier war seit den Tagen, da Chaireddin in seiner Bedrängnis den Beistand des Großherrn angerufen hartes, ein Bestandteil des türkischen Reiches. Allerdings rvar, wie in vielen anderen Gebieten der Türkei, die Oberhoheit des Sultans mehr und mehr verblaßt, und seit dem Beginn des 18. Jahr­hunderts nur noch eine nominelle. Die wirklichen Beherrscher Algiers waren dieOdjak" genannten Milizen, eine Art von Prä- torianertruppe, zusammengelaufene Abenteurer, die sich aus der ganzen Levante rekrutierten. An ihrer Spitze stand der von ihnen gewählte und häufig genug von ihnen gestürzte Dey von Algier. Der Dey ernannte die Beys des Ostens (Constantine), des Westens (Oran) und des Südens (Titteri), die nur in loser Abhängigkeit von ihm standen. Die Herrschaft der Türkell reichte übrigens nicht weit ins Innere des Landes hinein: die Araberstämme der Hochfläche und noch mehr die Verberstämme im Gebirge waren gar nicht oder doch nur vorübergehend unter­worfen, und das Gesamtbild der Regentschaft zeigt ähnliche Züge wie das heutige Marokko, halb Anarchie, halb Despotie, ein Land, auf das die Bezeichnung Raubstaat in jeder Beziehung trefflich paßte.

Denn die Regentschaft war nicht nur ein Raubstaat nach innen, gegen die eignen Untertanen, soweit sie es sich gefallen ließen, sondern auch ihre Betätigung nach außen hin bestand wesentlich in Seeraub, Sklavenraub und Sklavenhandel, gegen die die seefahrenden Nationen Europas sich durch hohe Geldzahlungen zu sichern suchten.

Von allen europäischen Mächten hatte Frankreich seit alten Zeiten die größten Interessen in Algerien besessen^). Seit dem 16. Jahrhundert erfreuten sich die Franzosen einer privilegierten

^) Vgl. S. 15. Von den Zuständen der Regentschaft entwirft ?Iantst. in der Einleitung zu der von ihm herausgegebenen Oorregvondsnee 6es vk^3 6'Alger ein anschauliches Bild.

2) Siehe S. 17f. und44f.