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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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IV. Verbreitung einiger Tiergattungen.

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12. Das Schwein.

Das europäische Schwein wurde erst in neuester Zeit im südlichen Damaralande ein­geführt. Sei es, dafs die Inzucht, sei es, dafs die Futterverhältnisse um Windhoek im Verein mit dem lufttrockenen Höhenklima der Fett- und Gröfsenentwiokelung entgegen­wirkten, genug, die Tiere entwickelten sich nur sehr schlecht, und selbst die ausgewachsenen übertrafen wenig die Körperinafse eines älteren Ferkels. Gegen die zu weit ausgedehnte Inzucht sollten neuerdings Eber vom Kap verwandt werden; ob mit Erfolg, bleibt abzu­warten. Dafs die Tiere derber und widerstandsfähiger als das übrige Kleinvieh sind, würde mit gröfseren Kosten verbundene Zuchtversuche schon darum noch nicht hinreichend rechtfertigen, weil bei diesem die gerade in Südafrika starke Vermehrung etwaige Verluste ziemlich schnell wieder ersetzt.

13. Die Gans und die Ente.

Beide Tiere wurden versuchsweise in Windhoek gehalten, aber sie wollten nicht recht gedeihen. Überhaupt dürfte schliefslich die Zucht der Wasservögel unter den Haustieren in einem Lande, in welchem gröfsere Flächen dauernd offenen Wassers zu den Seltenheiten gehören, sich auf die Dauer kaum empfehlen.

14. Das Huhn.

Das europäische Haushuhn findet sich an verschiedenen Plätzen und wird vor allem im Bastardlande häufig gehalten. Die Tiere vermehrten sich auch in Windhoek gut und legten nicht wenig Eier, namentlich wenn sie neben dem von ihnen selbst gesuchten Futter noch etwas gestreut erhielten. Auch aus dem Bastardlande wurden Mengen von Eiern nach Windhoek verkauft.

Hierher gehört auch das Perlhuhn, welches man nicht selten als Haustier trifft. In der Regel werden einige der von den Eingebornen zum Verkaufe reichlich gesammelten Eier von den zahmen Hühnern ausgebrütet, und die Tiere gewöhnen sich leicht an das Zusammenleben mit dem Hausgeflügel. Als richtiges, mehrere Generationen hindurch ge­züchtetes Haustier habe ich dasselbe dagegen nicht getroffen.

15. Die Biene.

Die Europäer im Lande haben mehrfach den Versuch gemacht, Bienenzucht zu treiben. Natürlich steht dieselbe noch sehr in den Anfängen, ist aber, wie aus dem Reichtum des Landes an wildem Honig zu schliefsen ist, gewifs einer Entwickelung und Ausdehnung fähig.

16. Gezähmte Tiere.

Überall, besonders wo Europäer sich niedergelassen haben, findet man das eine oder das andre Tier der wilden Fauna des Landes in mehr oder weniger gezähmtem Zustande. Kleine Antilopen, Schakale, Wildkatzen, Affen, einzelne Straufse und andre Tiere finden sich in den verschiedensten Orten. Nirgends aber hat die Haltung ehedem wilder Tiere zu dem Versuch geführt, eine bisher wilde Gattung durch wahrhaft vernunftgemäfse Züch­tung der Reihe der Haustiere einzuverleiben. Nicht einmal Anregungen dazu werden gegeben, obschon sich aus naheliegenden Gründen die anderwärts angestellten Zähmungs­versuche der Elandantilope und des Zebras auch für unser Schutzgebiet empfehlen würden. Hier ist noch ein weites und dankbares Feld zur Bethätigung für den Liebhaber vorhanden, der damit nicht allein dem menschlichen Bedürfnis eines Schutzes unschädlicher Tier-

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