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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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III. Pflanzenzonen

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gessen, dafs in diesen Höhen die Regenzeit sowohl in ihrer Ergiebigkeit wie auch in ihrer Dauer häufig sehr stark ist, und dafs dieselbe hier gerade in die Wachstumsperiode des Weines fällt, in welcher er am ersten der trockenen Sonnenwärme bedarf. In allerdings viel geringerem Grade gilt das auch von den Hochthälern um Windhoek, wo im übrigen die älteren Weinstöcke sehr gute Trauben getragen haben. Dort wird man wohl nur einen etwas leichteren Wein aus den späteren Ernten zu erzielen vermögen. Zur Rosinen­fabrikation hingegen, die am Kap schon heute eine grofse Eolle spielt, eignen sich wohl nur die westlichen Striche des Landes, wo, wie in Otjimbingue, Sonne und Lufttrockenheit nicht mehr durch zu häufige Regengüsse während und nach der Traubenreife in ihren Wirkungen beschränkt werden. Bei so gut wie gar keiner Pflege gedieh der Wein dort im alten Kommissariatsgarten so ausgezeichnet, dafs man nicht begreift, warum noch nie­mand auf den Gedanken gekommen ist, einmal versuchsweise solchen zu keltern.

Der Maulbeerbaum gedieh in Windhoeker Gärten sehr gut. Als Schattenstrauch an den Bassins wird vielfach die Ricinusstaude verwandt, die vortrefflich fortkommt und sich durch schnelles Wachstum auszeichnet.

Es würde mich zu weit führen, wollte ich an dieser Stelle auf alle einzelnen Kultur­pflanzen eingehen und namentlich auch die Anbauversuche einer eingehenden Besprechung unterziehen, die man mit nordeuropäischen Feld- und Gartenfrüchten angestellt hat. Das ist die Aufgabe einer landwirtschaftlichen Arbeit; aber zwei Punkte, die von Laien ge­wöhnlich wenig berücksichtigt werden und die aufserdem auch ein rein wissenschaftliches Interesse beanspruchen dürfen, will ich kurz erwähnen. Der eine betrifft die Wirkung der direkten Bestrahlung, die in den Hochlandschaften so stark ist, dafs selbst bei mäfsiger Mittelwärme zarte Pflanzen häufig einem Verbrennen ausgesetzt sind, wenn sie nicht durch höhere Pflanzen und Bäume genügenden Schutz erhalten. Schon aus diesem Grunde sind die Ideen Jener als schwärmerisch und überschwänglich zu verwerfen, die sich zarte euro­päische Futterkräuter unter Anwendung künstlicher Bewässerung auf sehr ausgedehnten Flächen angebaut vorstellen. Der andre bezieht sich auf die bald eintretende Entartung gewisser Pflanzen, wie z. B. der Kartoffel, die schon in der zweiten und dritten Generation auf den Feldern am Kap bedenklich an Wohlgeschmack verliert, so dafs stets neuer Ersatz an Saatkartoffeln aus Europa beschafft werden mufs. Es ist das ein weiterer Grund, von zu viel kostspieligen Versuchen mit dem Anbau von Pflanzen abzuraten, die eine sehr hohe Fracht bis hinauf in das Land zu tragen haben.

Eine Anzahl europäischer Gartengewächse allerdings gedeihen gut, und mit dem gartenmäfsig betriebenen Anbau dieser wird man hoffentlich in gröfserem Umfange fort­fahren, als es bisher geschehen ist.

IV. Verbreitimg einiger Tiergattungen.

Es kann natürlich auch hier ebensowenig wie bei der Besprechung einiger pflanzen­geographischen Eigentümlichkeiten des südlichen Damaralandes meine Absicht sein, ein fachmännisches Urteil abzugeben. Schon aus diesem Grunde darf der folgende Abschnitt keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit machen. Wohl aber beruht, was ich ermittelt habe, teils auf Selbstgesehenem, teils auf den sorgfältigsten Erhebungen, und so glaube ich sowohl dem Tiergeographen von Fach wie demjenigen, der sich mit den Formen und der Verbreitung der Haustiere beschäftigt, einiges Wissenswerte bringen zu können.

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