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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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Dove, Deutsch - Südwest - Afrika.

keit der flügellosen Jungen, der sogenanntenFoetgangers", ist gröl'ser als die der geflügelten Tiere. Man unterscheidet im Lande heuschreckenfreie Perioden von den meist aufeinander folgenden Heuschreckenjahren und nimmt an, dai's jene eintreten, wenn die aus der Kalahari heranziehenden Schwärme durch andauernde östliche Winde in die öden, westlichen Striche und ins Meer getrieben worden sind.

Aufser der Wanderheuschrecke fällt zumeist auf die Gottesanbeterin, die sich in verschiedenen Gröfsen findet. Das Tier hat in der Regel grünliche Farbe. Ferner gehört hierher wahrscheinlich ein 2030 cm langes, J / 2 1 cm dickes Tier von holzbrauner Farbe, das mit seinen sehr langen, dürren Beinen einem vertrockneten Ast mit Seiten­zweigen zum Vorwechseln gleicht. Es ist ziemlich selten und ist wohl mit dem in andern Gegenden Südafrikas beobachteten Hottentottengotte identisch.

Ein schwarzer Tausendfufs von 20 und mehr cm Länge ist häufig, aber als un­schädlich bekannt, wogegen der gelbe, 10 cm lange Hundertfufs" giftig ist und schmerzhafte Anschwellungen der betroffenen Körperstellen hervorruft. Er ist indessen bei weitem nicht so gefährlich wie der schwarze Skorpion, der 20 cm lang werden kann und dessen Stich höchst peinliche Anschwellungen des ganzen Armes oder Beines hervorzurufen vermag. Von Todesfällen infolge des Stiches dieses oder verwandter Tiere ist mir indessen nichts zu Ohren gekommen.

Auch Spinnen sind häufig, und namentlich fällt eine etwa 5 cm lange, 1~ cm breite, rotgelbe Spinne durch die Schnelligkeit auf, mit der sie an Wänden und Mauern entlang zu laufen vermag.

Von Krebsen erwähne ich nur einen besonders an felsiger Küste, wie bei Angra- Pequena, häufigen Hummer.

B, Die Haustiere.

Bei der Untersuchung der Haustiere und ihrer Verbreitung ist es natürlich nicht angängig, nur das südliche Damaraland zu betrachten. Wie allenthalben in einem Gebiet mit seit langer Zeit betriebener, extensiver Viehzucht bilden die natürlichen Grenzen geographischer Provinzen hier weniger strenge Scheiden, vielmehr beeinflussen die ethno­logischen Grenzgebiete und die Verschiedenheiten der Verkehrszoneu die Bildung derselben in viel höherem Grade, als dies in alten Kulturländern der Fall ist. Soweit zurück wir die Eingebornen unsres Schutzgebiets kennen, soweit läfst sich auch von den hervorragenden Stämmen behaupten, dafs dieselben Viehzüchter waren. Aber die Viehzucht blieb, wie bei den Hereros, bis auf den heutigen Tag mehr eine Viehhaltung im grofsen, und erst mit dem Eindringen eines durch die Weifsen bereits sehr stark heeinflufsten Bevölkerungs­elements, der Rehobother Bastardnation, in das hier behandelte Gebiet sehen wir auch in den zentralen Landschaften der Kolonie eine Wirtschaftsweise jjlatzgreifen, welche auch der europäische Landwirt als Viehzucht im engeren Sinne bezeichnen würde. Auch auf diesem Felde menschlicher Ausnutzung des Landes sind es wieder zu weitaus überwiegendem Teile die Eingebornen, deren Haustiere uns interessieren, denn was von Seiten der wenigen Europäer bis jetzt hat geschehen können, ist nur sehr gering.

I. Das Rind.

Ursprünglich, d. h. vor der Anknüpfung europäischer Beziehungen waren in unserm Schutzgebiet nur zwei Binderrassen vorhanden. Die Ovamborinder, deren Gröfse unbe­deutend ist und die deshalb für den Handel nur wenig Bedeutung haben, hängen nach Schinz mit der nördlich vom Kunene in Benguela und Angola gehaltenen Rasse zusammen 1 ).

) Vgl. Dr. H. Schinz, Deutsch-Südwest-Afrika, Oldenburg 1891, S. 298.