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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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IV. Verbreitung einiger Tiergattungen.

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4. Das Wollschaf und 5. Die Angoraziege.

An die einbeimischen Kleinviehrassen sohliefsen sich naturgemäfs diese beiden erst in neuerer Zeit eingeführten und zunächst in kaum nennenswerter Menge vorhandenen Tiere.

Das Wollschaf ist nach Norden eigentlich kaum nördlich vom 23. ° in wirklichen Herden vorhanden. Zeitweiser Aufenthalt kleinerer Herden in der Umgegend von Windhoek, veranlafst durch den Krieg mit Hendrik Witbooi, lieferte aufserdem den Beweis, dafs die Zone unmittelbar nördlich vom Wendekreis wohl auch bei einer zukünftigen, wirtschaft­lichen Inangriffnahme des Landes das nördliche Grenzgebiet für die Verbreitung des Woll­schafes bilden wird. Die dichtere Dornbuschvegetation des Damaralandes erschwert nicht allein die Instandhaltung der Vliefse aufs Äufserste, sondern sie begünstigt durch die Häufigkeit kleiner Haut- und Fleischwunden auch die Übertragung der Räude im höchsten Grade.

Das Wollschaf unterliegt denselben Krankheiten wie das afrikanische Schaf. Besonders gefürchtet ist die sogenannte Blutkrankheit, angeblich die Folge des Fressens schädlicher Pflanzen. Auch die allerdings nur ausnahmsweise einmal eintretenden Fälle winterlicher Niederschläge richten besonders im Hochlande unter den jüngeren Tieren eine grofse Verheerung an , wie wir dies bei einem mehrtägigen Landregen im Damaralande erlebten.

Die Angoraziege, erst seit 1891 im Lande in geringer Zahl vorhanden, dürfte ebensogut hier wie in den Kleinviehdistrikten der Kapkolonie im Laufe der Zeit eine wich­tige Rolle unter den Haustieren übernehmen.

6. Das Pferd.

Das Pferd ist trotz der grofsen Ebenen selbst im Süden des Schutzgebiets keineswegs in grofser Menge vorhanden, namentlich aber fehlt bis auf den heutigen Tag, einzelne Orte, wie Keetmanshoop, ausgenommen, jede eigentliche Pferdezucht. Die meist aus dem eng­lischen Südafrika eingeführten Tiere sind klein, nicht sehr schön entwickelt, aber kräftig und ausdauernd. Die Tiere erhalten nur höchst selten etwas andres als das Futter, welches sie sich selbst auf der Weide suchen. Trotzdem übertrifft ihre Leistungsfähigkeit auf dem Marsche durch dürre, wasser- und futterarme Strecken diejenige nordeuropäischer Pferde um ein Bedeutendes.

Unter den Pferden des Schutzgebiets bricht ebenso wie unter denen der alten Kolonien während und besonders nach der sommerlichen Regenzeit, im ganzen in der Zeit von An­fang Januar bis Mitte Mai, jene in mehreren Formen bekannte Seuche aus, welche man im Volke als Pferdesterbe bezeichnet. Nur die Küste und einzelne alsSterbeplätze" bezeichnete Gebiete sind aus unbekanntem Grunde frei von der Krankheit, welche ein namhafter Bakteriolog, Marinestabsarzt a. D. Dr. Sander, als eine besonders akute Form des Milzbrandes bezeichnet. Im Norden des Damaralandes scheint die Seuche, die bisweilen mehr als die Hälfte der vorhandenen Tiere hinwegrafft, noch stärker aufzutreten als im Süden, und es ist möglich, dafs die eigentliche Pferdezucht überhaupt einmal ihre Grenze im Damaralande findet. Schon im Norden dieses Landes dauert die Sterbezeit 2 4 Wochen länger als im Süden, wenngleich die Benutzung von Händlern eingeführter Pferde auf der Westseite der Kalahari entschieden, in nördlicheren Breiten möglich ist als auf der Ostseite 1 ).

x ) Schinz fand Pferde als eingeführte Tiere noch bei den Oratnbo. Vgl. denselben a. a. 0., S. 298. E. Mohr dagegen mufste bereits im Matabelelande im Winter seine Pferde zurücklassen,da das Klima für diese Tiere hier anfangt tödlich zu werden". Vgl. Mohr, Nach den Victoriafällen des Sambesi, Leipzig 1875, I, 162.

Dove, Deutsch-Südwest-Afrika.

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