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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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Dove, Deutsch - Südwest - Afrika.

Noch eiuer eigentümlichen Bildung mufs ich an dieser Stelle gedenken, der man nicht selten unter den Rindern der Hereros begegnet. Es sind die sogenannten Busseköppe, Rinder mit lockeren Hörnern, welche ein leiser Anstois in Bewegung versetzt. Ob und wann diese Hörner etwa künstlich gelöst, werden, darüber war nichts aus den Eigentümern derselben herauszubekommen.

2. Die Ziege.

Das zweite der einheimischen Haustiere, die Ziege, ähnelt in ihrem Aufsern den im übrigen Afrika verbreiteten Rassen. Sie wird von allen Stämmen gehalten, die überhaupt sich mit der Viehhaltung beschäftigen, aber die im Nama- und Bast-ardlande vorkommenden Tiere erreichen fast die doppelte Gröfse der im Damaralande angetroffenen Tiere. Es ist kaum eine Frage, dafs hierbei die Buschweide eine grofse Rolle spielt, welche ihre Wirkung in derselben Weise bei dem Afrikanerschaf äufsert. Während das Gewicht ausgeschlach­teter Kapater (verschnittener Böcke) im Damaralande nur selten 20 kg übersteigt, habe ich mehrere Namakapater von mehr als 4 0 kg Schlachtgewicht wiegen sehen.

Die Kapater werden im Lande von Deutschen und Engländern fast ebenso gern ge­schlachtet wie die Fettbämmel. Ihr Fleisch hat zwar einen etwas strengeren Geschmack als das Schaffleisch, ist aber wohl zu essen und keineswegs von dem unangenehmen Ge­schmack, den man in Europa dem Fleische älterer Ziegen zuschreibt.

3. Das Schaf.

Einheimisch ist nur das sogenannte Afrikanerschaf. Die Farbe des Tieres ist wie bei der afrikanischen Ziege starken Verschiedenheiten unterworfen. Der Kopf ist ähnlich entwickelt wie bei den Somalschafen. Das Haarkleid verdient durchaus diesen Namen, denn es trägt vielmehr diesen Charakter als den der Wolle. Am auffallendsten zeigt sich aber bei diesen Tieren der Unterschied zwischen den Damara- und den Namaschafen in der Fleisch- und Fettentwickelung und in der Ausbildung des beiden eigentümlichen Fett­schwanzes. Dieser hat in seinem Ansatz beinahe noch die volle Breite des Rückens, zeigt unten eine Biegung und läuft in eine ziemlich dünne Spitze aus. Er besteht aus einem aufserordentlich zarten, mit weifslichen Fettmassen erfüllten Gewebe, in der Spitze aber findet sich in beinahe flüssigem Zustande ein öliges Fett, das in seiner Güte den feinsten, wirklichen ölen gleichkommt. Zeichnet sich schon das Fleisch des Tieres vor dem seiner europäischen Vettern durch grofsen Wohlgeschmack aus, so trägt vollends das Fett des Schwanzes nicht im entferntesten den talgichten Charakter unsres Hammelfetts. Der Schwanz wird ausgebraten und liefert dann ein ganz weifses, weiches Fett, das sich lange hält und in Aussehen und Geschmack vollkommen einer Mischung aus Gänse- und Schweine­schmalz gleicht.

Während ich nach einer Reihe von Messungen das Durchschnittsgewicht ausgeschlach­teter Damaraschafe auf 15 20 kg, das ihres Fettschwanzes auf 1,5 kg feststellen konnte, fand ich bei den auch in Windhoek von Zeit zu Zeit geschlachteten Namaschafen bisweilen das erstaunliche Schlachtgewicht von 50 kg und ein Durchschnittsgewicht von 4 5 kg für den abgehäuteten Schwanz. Doch ist mir von glaubwürdiger Seite mitgeteilt worden, dafs schon in Rehoboth ausnahmsweise das Gewicht des wunderlichen Anhängsels 8 kg erreichte.

Was vom Damararinde hinsichtlich seiner auch in der Zukunft fortdauernden Bedeu­tung gesagt wurde, das gilt in ähnlicher Weise vom Namaschaf, welches als Schlachttier vom Wollhammel nicht erreicht und deshalb hoffentlich vor völliger Verdrängung durch diesen auch in Zukunft geschützt werden wird.