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Dove, Deutsch - Südwest - Afrika.
A, Die wilde Tierwelt des Landes. I. Säuger.
Die einzige Affenart, welche im südlichen Damaralande vorkommt, der Bärenpavian, ist atifserordentlieh verbreitet. Er erreicht nicht selten eine bedeutende Gröfse und bewohnt in Rudeln namentlich die felsigen und bergigen Gegenden der Hochländer. Die Frechheit, mit der er selbst in die Gärten eindringt, ist erstaunlich, und trotz der Ende 1893 bereits sehr dichten Besiedelung von Windhoek hielten sich Mengen von Pavianen in nächster Nähe des Ortes auf, die allnächtlich ihr abgerissenes, einem dumpfen Gebell ähnelndes Geschrei ertönen liefsen. Jung eingefangene Tiere wurden bisweilen sehr zu- traulich und zahm.
Von Fledermäusen gab es verschiedene Arten, unter denen eine kleine sich in Höhlungen und verlassenen Minengängen in solcher Menge fand, dafs ich zum Beispiel in der Matchless - Mine auf dem Khomasland den Boden fufshoch mit den Exkrementen der lichtscheuen Stollenbewohner bedeckt fand.
Reich an Arten und grofs an Zahl ist das Geschlecht der Raubtiere in unsrem Schutzgebiet vertreten, und interessant ist die Untersuchung ihrer Verbreitung, da sich dabei herausstellt, dafs ihr Verschwinden nicht immer eine Ausrottung und ihr in irgendeiner Landschaft mit einem Mal scheinbar ganz plötzliches häufiges Auftreten keineswegs die Folge einer neuen Vermehrung ist. Wanderungen des von ihnen verfolgten Wildes bedingen nicht selten ihr Fortziehen aus einer Gegend, in der sie vielleicht Jahre hindurch sich aufgehalten. Auf der andern Seite hatte ich selbst Gelegenheit, zu beobachten, wie mit einem Mal Klagen über immer gröfseren durch Raubwild veranlafsten Schaden laut wurden, von denen wir früher nur wenig vernommen. Es war das einfach die Folge der durch die beginnende stärkere Besiedelung von Windhoek und das Zusammendrängen der Herden auf ein verhältnismäfsig kleines Gebiet veranlafsten dichten Besetzung eben dieser Landschaft. Während wir früher selten von Besuchen gröfserer Raubtiere in den Kraalen gehört hatten, verging jetzt keine Woche, ohne dafs namentlich Leoparden den Viehposten der Umgegend Besuche abgestattet hätten. So allein kann ich es mir erklären, dafs Reisende, die in einer Zeit der Vereinsamung ein Gebiet flüchtig durchzogen, nie etwas von dem Vorhandensein namentlich der grofsen Räuber aus dem Katzengeschlecht bemerkten, während die an Ort und Stelle ansässigen Viehhalter in kurzer Zeit recht unliebsame Erfahrungen zu machen pflegen. Einen besseren Mafsstab als die oft nur sehr unvollständigen persönlichen Reiseerfahrungen bieten jedenfalls für die Beurteilung der Verbreitung und Häufigkeit dieser Tiere die Preise für Felle und sonstige Jagdtrophäen, wie sie sich in einzelnen Gegenden in den letzten Jahren herausgebildet hatten, und die ich an manchen Stellen genau aufgenommen habe, um über diese wichtige Frage mir einigen Aufschlufs zu verschaffen.
Von kleinen, wieselartigen Tieren ist aufserordentlich häufig ein im ganzen Lande unter dem Namen „Erdmännchen" bekanntes Tier. Es ist von grauer Färbung und hat ungefähr die Gröfse unsres europäischen Wiesels. Es bewohnt die flachen Teile der Thäler und besonders die Ebenen. Die Erdlöcher dieser Tierchen sind in solchen Gebieten oft dicht am Wege so zahlreich, dafs das Reiten über eine, solche Fläche gröfse Vorsicht erfordert, und sie zeigen so wenig Scheu, dafs sie, mit aufgerichtetem Oberkörper aus ihren Löchern herausschauend, bei der Annäherung von Reitern und Wagen eine Zeit lang ruhig sitzen bleiben. In dieser Stellung haben sie in der That gröfse Ähnlichkeit mit zwerghaften menschlichen Gestalten.
Von Viverriden soll die Zibethkatze im südlichen Damaralande vorkommen. Ich kann über ihr Verbreitungsgebiet daselbst indessen nicht urteilen, da ich niemals Genaueres über das Tier erfahren konnte.