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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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IV. Verbreitung einiger Tiergattungen. 57 2. Vögel.

Die Vogelwelt des südwestafrikanischen Schutzgebiets ist keineswegs so arm, wie man sich dieselbe vielfach vorstellt. Besonders die Parkebenen beherbergen eine ganze Anzahl von kleineren Arten, welche sich zum Teil durch aufsergewöhnlich schönes, metallisch glänzendes Gefieder auszeichnen. Es kann im Folgenden nicht meine Absicht sein, ein selbst unvollständiges Verzeichnis auch nur der gröfseren Arten zu geben, da man von den Eingebornen wenig über die meisten Glieder der geflügelten Tierwelt erfährt, und da die Fülle anderweiter Arbeit einem die eifrige Jagd auf Vögel von selbst verbietet. Ohne eine solche ist aber ein Studium dieser Tiere unmöglich. Ich beschränke mich deshalb darauf, einige der hervorragendsten, häufigsten oder auffallendsten Arten herauszugreifen und dasjenige mitzuteilen, was ich von denselben gesehen oder sonst über sie in Erfahrung bringen konnte.

Unter den Laufvögeln der Erde besitzt Afrika in seinem Straufs den gröfsten, und dieser Eie3e der Vogelwelt findet sich auch in Süddamaraland noch recht häufig. Dafs er in Herden auftritt, ist bekannt, ebenso dafs er ein Bewohner der Ebene ist. Doch kommen einzelne Straufse ausnahmsweise auch in den einsamen, welligen Hochländern vor, so bei Heusis im Khomasland und in einzelnen Teilen des nördlichen Bastardhochlandes. Als eigentliches Verbreitungsgebiet des Tieres müssen aber auf der einen Seite das weite Land an der Grenze der Kalahari bis zu den Quellnüssen des Nosob, auf der andern die riesigen Flächen der Namib und der sie begrenzenden Wüstensteppen gelten. In beiden Landschaften sind die Tiere noch recht häufig, und die Anwesenheit menschlicher Siede­lungen verscheucht sie so wenig aus einem Gebiet, dafs sie nachts bisweilen zwischen die Hütten von Swakobmündung kamen, und dafs wir die Spuren der Tiere in grofser Zahl den Weg noch in der Nähe der Niederlassung allenthalben kreuzen sahen. Die Federn sowohl des männlichen wie auch des weiblichen Vogels zeichnen sich vor denjenigen ihrer gezähmten Verwandten durch bedeutendere Gröfse und Fülle der Entwickelung vorteilhaft aus. Ich bin deshalb der Ansicht, dafs wir im wirtschaftspolitischen Interesse der Kolonie besser thun, von jeder Konkurrenz mit den Straufsenzüchtereien des Kaplandes abzusehen. Anstatt dessen sollte man das Hauptaugenmerk darauf richten, durch hinreichende Schonung und durch strenge Regelung des Abschiefsens in den westlichen Ebe­nen, die ohnedies einer Ausnutzung durch ausgedehnte Viehzucht niemals dienen werden, unsrem Lande die stets marktfähigen Federn des wilden Straufsen als wertvollen Ausfuhrartikel zu erhalten. Dann haben wir den durch das massenhafte Angebot von Federn zahmer Straufse oft gedrückten Marktpreis kaum zu fürchten und sparen oben­drein die Kosten für Anlagen, deren Rente keineswegs zu den ganz sicheren gehört.

Von den Raubvögeln ist zu erwähnen, dafs dieselben aufserordentlich häufig sind und in einer Anzahl von Arten vorkommen. Am auffallendsten sind die gewaltigen Aas­geier, die man Uberall da treffen kann, wo ein Stück Wild oder ein Ochse im Felde ver­endet ist. Sie werden von den Jägern geschont. Aufser ihnen zeichnen sich einige Adler­arten durch bedeutende Gröfse aus. Ich sah einen, welcher eine Spannweite von 1,5 m hatte. Auch kleinere Raubvögel scheinen nicht selten zu sein. Ein sehr interessanter Vogel, den ich im Bastardlande besonders häufig traf, der aber überall vorzukommen scheint, ist der Sekretär (Gypogeranus serpentarius) oder Schlangenadler. Obwohl er im Schutz­gebiet bisher keinen gesetzlichen Schutz geniefst, scheuen sich alle Eingebornen, ihm etwas zu Leide zu thun, da er auch hier als grofser Schlangenvertilger allgemein geschätzt wird.

Unter den Klettervögeln verdient der Honigkuckuck Erwähnung, von eigentlichen Papageien ganz besonders eine kleine, grüne Art, wenig gröfser als ein Sperling, welche

Dove, Deutsch-Südwest-Afrika. 8