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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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42 Dove, Deutsch-Südwest-Afrika.

kommt, dafs man in dieser Zeit wegen der im Januar beginnenden Pferdesterbe auf das Reisen im Wagen angewiesen ist, eine Beförderungsart, welche die Annehmlichkeiten einer wochenlangen Fahrt keineswegs vermehrt.

Dagegen ist das Arbeiten und der Aufenthalt im Freien selbst in den Hauptregen­monaten durchaus nicht so erschwert, wie man sich dies in Deutschland beim Anhören des WortesRegenzeit" mit einem gewissen Gruseln vorzustellen pflegt. Am Vormittag ist das Wetter in der Regel schön, und die Hitze, welche auf eine kühle Nacht gefolgt ist, ist nicht unerträglich. Kurz vor Mittag überzieht sich der Himmel mit dichterem Haufen­gewölk, und gegen 2 Uhr nachmittags hört man in der Regel den ersten Donner. Der häufig bald danach losbrechende Regen allerdings nötigt einen, im Hause zu bleiben, denn so wilde Güsse, wie sie im Damaralande stattfinden, übertreffen oft genug unsre stärksten Wolkenbrüche. Ich habe es sehr oft erlebt, dafs man das 100 m entfernte Thal während eines solchen Gewitterregens nicht sah, und bisweilen verschwanden sogar Bäume und Häuser, die nur 50 m entfernt waren, in den dichten Schleiern der niedergiefsenden Wasser­massen.

Trotz reicher Niederschläge in manchen Jahren und einer verhältnismäfsig hohen Mittelwärme ist das Klima dieser Länder gesund; ja, man kann sagen, es ist eins der gesündesten der Erde, denn seine das Wohlbefinden fördernden Eigenschaften sind die eines Hochland- und eines Steppenklimas zugleich. So ist Südwest-Afrika das einzige unter deutscher Herrschaft stehende Gebiet Afrikas, in dem unbestritten deutsche Aus­wanderer leben und arbeiten können, nicht nur wie daheim, sondern sogar besser als da­heim. Aber auf der andern Seite ist gerade das aufmerksame Studium dieses Klimas be­sonders geeignet, überschwengliche Vorstellungen hinsichtlich der Aufnahmefähigkeit des Landes für Auswanderer zu zerstören, wie solche in den kolonialfreundlichen, aber vielfach durchaus oberflächlich unterrichteten Kreisen in unsrem Vaterlande noch ungemein ver­breitet sind.

III. Pflanzenzonen.

1. Die Namib und die Wüstensteppen im Westen.

In einem Lande mit so verschiedenartiger Verteilung der Niederschlagsmengen wie Südwest-Afrika ist eine grofse Verschiedenheit der Pflanzenwelt hinsichtlich ihrer Verteilung über die Fläche erklärlich. Finden wir doch innerhalb des Schutzgebiets alle Formationen von der Wüste der Küste bis zur geschlossenen Laubwaldung in einzelnen Teilen des Ovambolandes vertreten, und das südliche Damaraland umschliefst nicht allein Steppen ver­schiedener Art und Entwickelung, sondern wir entdecken in seinen Hochländern selbst kleine Landschaften, die einen Übergang von der Steppe zur Savanne zu vermitteln scheinen.

Ganz vegetationsleer ist auch die Küstenwüste nicht. Allerdings wäre es verkehrt, wollte man das an die Buschsteppe erinnernde Pflanzenkleid der Dünen von Sandfonteiu, in welchem Dawesträucher und Narastauden einen wesentlichen Teil des Bestandes bilden, zum Wüstengebiet im engeren Sinne rechnen. Dasselbe verdankt vielmehr sein Dasein dem Grundwasser der Kuisebmündung, welches sich in dem genannten Ort je nach der Jahreszeit 11,5 m unter der Oberfläche findet. Es entspricht also seinem Charakter nach der oasenartigen Vegetation im unteren Swakob, wenngleich diese naturgemäfs infolge des gröfseren Wasserreichtums im letztgenannten Flusse jene an Üppigkeit unendlich übertrifft.

Auch die Namibflächen mit ihrem härteren Boden sind keineswegs von jeder Vegetation