IL Das Klima von Südwest - Afrika.
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und diese mögen den Laien, welche die Behauptung aufstellten, Diamanten vorgetäuscht haben. Aufserdem wurde uns ein Klümpchen „blauen Grundes" vorgelegt, der allerdings dem berühmten blue ground von Kimberley durchaus gleichartig zu sein schien und von dem wieder der Beweis zu liefern wäre, dafs er nicht etwa selbst aus Westgriqualand stammte. Vorläufig also wissen wir thatsächlich nichts über das etwaige Vorkommen von Diamanten im Schutzgebiet.
Rubinen sind in der Gegend von Tsaobis gefunden worden. Ob dieselben aber wirklichen Wert besafsen, darüber habe ich nichts in Erfahrung bringen können.
Granaten sind in der Umgegend von Windhoek häufig und kommen auch anderwärts in grol'ser Menge vor. Aber alle, die ich gesehen, waren sehr schlecht; sie würden kaum das Suchen danach lohnen.
Man sieht, von den Funden von Edelsteinen und den hier etwa in Zukunft zu machenden Entdeckungen gilt in noch höherem Grade das über die Goldlager Gesagte. Hier ist die Entdeckung ausbeutungswürdiger Felder noch unwahrscheinlicher, und der wirtschaftliche Nutzen selbst der ^tatsächlichen Auffindung eines Diamantenlagers würde, wie das Beispiel der südostafrikanischen Minen zeigt, von höchst zweifelhaftem Einflüsse auf die Entwickelung des Landes sein.
II. Das Klima von Südwest-Afrika.
In dem folgenden Abschnitt, welcher die Ergebnisse meiner eigentlichen Untersuchungen in unserem Schutzgebiete enthält, mufs ich über die räumlichen Grenzen, die ich mir in den übrigen Abteilungen zu setzen genötigt war, hinausgehen. Eine Schilderung der klimatischen Eigenart eines Landes kann ja nicht auf den Beobachtungen einer einzelnen Station aufgebaut werden. Zudem bin ich in der glücklichen Lage, nicht nur über die Einzelheiten verschiedener älterer Beobachtungsreihen verfügen zu können, sondern auch ein von den von mir gegründeten Stationen geliefertes Material hier zum erstenmal der Öffentlichkeit zu übergeben. Es liegt in der Natur der Sache, dafs es sich dabei in erster Linie um die Aufzeichnungen der Niederschläge handelt. Ich war nicht in der Lage, mehrere Punkte mit Instrumenten zur Beobachtung der verschiedenen klimatischen Faktoren auszustatten, und so blieb mir nur die Wahl, entweder mich auf die Untersuchung eines ganz kleinen Gebiets zu beschränken, oder aber denjenigen Untersuchungen, welche für die kulturelle Entwickelung des ganzen Landes von höchster Bedeutung sind, eine möglichst grofse Ausdehnung zu geben. Aus praktischen und aus nationalen Erwägungen wählte ich das letztere, und ich glaube damit den einzigen Weg eingeschlagen zu haben, in dessen Verfolgung sich das Interesse meiner Auftraggeber mit dem der Wissenschaft vollauf vereinigen liefs. Aber gerade weil ich genötigt war, die Lösung zweier verschiedenen Aufgaben in der Leitung der Station Windhoek nebeneinander zu unternehmen, halte ich mich berechtigt, nach verschiedenen Seiten hin eine Kritik zu üben, die zu meinem eigenen Bedauern einer gewissen Schärfe nicht entbehrt. Aber es handelt sich nicht um meine Person, sondern um eine grofse Aufgabe, um das Interesse unserer Kolonie, und da, dünkt mich, kann man kaum deutlich genug auf die Fehler hinweisen, an denen unsre heimische Kolonialpolitik bis auf den heutigen Tag krankt.
Zunächst kann nicht oft genug betont werden, dafs in einem ausgedehnten Steppenlande die genaue Kenntnis des Klimas und das damit zusammenhängende Studium der Wasserläufe die Grundlage bilden, von der aus man an die Erwägung wirtschaftlicher Vorschläge heranzugehen hat. Ehe die wissenschaftliche Untersuchung der Kolonie weiter