II. Das Klima von Südwest - Afrika. 15
an dieser Stelle mit Dank anerkenne, nicht minder die Förderung, welche mir von Seiten der Abteilung Berlin der Deutschen Kolonialgesellschaft zu teil geworden ist.
Es ist unerquicklich genug, Dinge wie die oben erwähnten in einer wissenschaftlichen Arbeit zur Sprache bringen zu müssen, allein es ist unerläfslicb. Mögen diejenigen, welche, sich durch meine Vorwürfe getroffen fühlen, sich überzeugt halten, dafs dieselben nicht der Person, sondern der Methode gelten. Sollten sie aber aus dem ihnen Vorgeworfenen für die Zukunft keine Lehre ziehen, dann freilich dürfen sie sich nicht beklagen, wenn die wahren Freunde der Kolonie ihnen die Fähigkeit absprechen, noch fernerhin das Geschick derselben zu beeinflussen.
Leitende Gesichtspunkte bei der Anlage meteorologischer Beobachtungsstationen
in Südwest-Afrika,
Bs kam mir bei dem Entwurf eines Planes für meine meteorologische Arbeit wesentlich auf drei Punkte an. Zunächst handelte es sich darum, eine längere Reihe von Temperaturwerten zu erhalten, welche möglichst von allen Einflüssen der Strahlung befreit sei. Bereits seit Jahren besafsen wir Temperaturbeobachtungen aus dem Innern unsres Schutzgebiets, allein diese litten sämtlich an den Folgen eines zu geringen Schutzes der Instrumente gegen die Sonnenstrahlung, so dafs man bereits kurze Zeit nach der Einleitung der Aufzeichnungen die Notierung der Wärmebeobachtungen wieder aufgab J ). Es handelte sich also darum, mittels des Afsmannschen Aspirationspsychrometers an möglichst günstiger Stelle eine Reihe von Versuchen anzustellen, um dann durch weitere geeignete Vorkeh- •rungen eine Aufstellung der Instrumente ausfindig zu machen, bei welcher die Angaben derselben möglichst der wahren Lufttemperatur entsprachen. "Weiter unten werde ich auseinandersetzen, in welcher Weise die Anbringung der Thermometer stattfand.
War so ein Mittel gewonnen, eine Kontrolle über anderwärts im Lande angestellte Beobachtungen auszuüben, so handelte es sich bei den Regenmessungen um den für die Kolonie und die Beurteilung ihres wirtschaftlichen Wertes wichtigsten Faktor. Eine einzelne Station, noch dazu in einem verhältnismäfsig begünstigten Gebiet gelegen, vermag nur wenig Material zur Beurteilung eines grofsen Steppenlandes zu liefern. Bei der eigentümlichen Anordnung der Regenzonen in Südwest-Afrika, von der später die Rede sein wird, lag mir daran, wenn möglich zwei Reihen von Beobachtungspunkten zu bilden, welche, von Norden nach Süden und von Westen nach Osten sich erstreckend, dazu dienen sollten, die Beziehungen der einzelnen Landschaften zu beurteilen. Wenn auch dieser Plan nicht völlig zur Ausführung gelangen konnte und namentlich infolge des dreiviertel Jahr nach meiner Ankunft ausgebrochenen Hottentottenkrieges einige Abänderungen erfahren mufste, gelang es mir doch, durch Gründung von fünf neuen und Vereinigung der älteren Stationen mit diesen eine Grundlage für die Durchführung dieses Planes zu schaffen. So beobachteten damals Olukonda im Ovambolande, Otjosondjupa am Waterberg, beide neu, ferner Okahandja, endlich in der Mitte des Landes die westöstliche Linie Tsaobis, Otjim- bingue (neu), Heusis (neu), Windhoek, Kubabub am Schafflusse (neu), denen sich nach Süden Rehoboth und neuerdings Keetmanshoop anschliefst. Die Gründung weiterer Regenstationen im Kaokofeld und in einigen andern Landschaften wird von mir beabsichtigt, und zu den genannten kommen die vom Königl. Preufs. Meteorologischen Institut mit Regenmessern ausgerüsteten Orte im Namalande, sowie einige ehemalige Beobachtungsorte der Missionare im Damaralaude. Bedenkt man, dafs .aus mehreren der älteren und aus einigen der von mir gegründeten Stationen bereits mehrere Jahrgänge vorliegen, so
Vgl. hierzu v. Danckolman in den Mitteil. d. Vereins f. Erdk. z. Leipzig, 1885, S. 395.