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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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II. Das Klima von Südwest-Afrika.

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gewitter an den Vormittagen und in den ersten Nachmittagsstunden überwiegt. Andre Wolkenformen, besonders die gleichmäfsig graue Decke des Landregens, sind in normaler Regenzeit selten, stets überwiegen die verschiedenen Formen der Gewitterwolke.

Cirrus und Cirrostratus sind in Windhoek vo.n mir und von meinem Beobachter in Heusis ebendort namentlich vor der eigentlichen, im Dezember 1892 einsetzenden Regen­zeit beobachtet worden.

Die Wintermonate im Damaralande zeichnen sich durch sehr grofse Klarheit des tief­blauen Himmels aus. In dieser Jahreszeit sind die Farben des Abendhimmels am schönsten und intensivsten; sie wechseln von brennendem Rot und grellem Gelb bis zu intensivem Violett, und ein Gemälde, welches die abendliche Färbung der Landschaft in der vollen Natürlichkeit wiederzugeben suchte, würde in Europa für grenzenlos übertrieben erklärt werden.

Staubmassen in der Luft erzeugen besonders in den östlichen Ebenen oft eigentüm­liche Dämmerungserscheinungen.

An dieser Stelle sei endlich der Luftspiegelungen gedacht, die au der Küste eine beinahe tägliche Erscheinung sind und die ich in der Namib noch in mehr als 40 km Ent­fernung von der See zu beobachten Gelegenheit hatte, welche dagegen im Innern nie von mir bemerkt wurden.

5. Allgemeiner Charakter des Klimas von Südwest-Afrika.

Ein Klima, wie das hier in einer Anzahl von Zahlen und auf diesen beruhenden Untersuchungen charakterisierte mufs auch auf das Leben und die Wirtschaft des Menschen einen ganz andern Einflufs ausüben, als die Klimate europäischer Zonen. Gänzlich ver­schieden allerdings ist der äufsere Eindruck, den in dieser Beziehung das Küstenland und die Gebiete des Innern schon bei dem oberflächlichsten Beobachter hervorrufen. Ein längerer Aufenthalt in Walfischbai ist geeignet, einem ein gutes Bild des südwestafrikanisehen Seeklimas zu vermitteln:

Wir erheben uns morgens zu einem Spaziergange am Strande. Noch ist. die Luft ruhig, aber wie eine dichte graue Decke hüllt ein kalter Nebel die öde Sandfläche des Strandes ein. Von den Dächern tropft es wie nach einem gelinden Regen, und der Boden ist allenthalben in seiner obersten Schicht durchnäfst, aber bereits wenige Centimeter unter der Oberfläche ist er staubtrocken, und es bedarf keiner besondern Überlegung, um zu empfinden, dafs diese Niederschläge nie genügen werden, um irgendeiner gröfseren Pflanze das Dasein zu fristen.

Die Nässe der Luft erhöht das frostige Gefühl, das uns ein Feuer im Ofen als Wohl- that begrüfsen läfst. Meist schwindet der Nebel gegen 10 oder 11 Uhr, und die Sonne bricht durch. Aber der Horizont bleibt dunstig und die aufserordentliche Feuchtigkeit der Luft macht sich auch unsrem Körper bemerklich, denn in den Stunden um Mittag ist es, obgleich das Thermometer selten 25° übersteigt, schwül, und die drückende Luft wird erst angenehmer, wenn der Südwest im Laufe des Nachmittags stärker zu wehen beginnt. Spaziergänge am Strande mit seinem Ausblick auf die kurzen, schaumgekrönten Wellen und auf die Lagunen mit ihren Tausenden und Abertausenden von Flamingos, Pelikanen und Tauchern sind dann für jeden ein Genufs, der sich nichts daraus macht, sich von dem frischen Winde die Kleider und Haare mit feinem Sande vollwehen zu lassen. Nach Sonnenuntergang hebt sich gewöhnlich bald wieder der Nebel aus dem Meere, und so wiederholt sich das Sjjiel jahraus jahrein, wenn nicht einmal ausnahmsweise der Föhn aus dem Innern zu wehen beginnt und seine trockene Hitze durch die dünnen Bretterwände der Wohnräume dringt und diese für kurze Zeit zu einem ungemütlichen Aufenthaltsorte werden läfst.

Die alles durchdringende Feuchtigkeit ist der schlimmste Feind der Haushaltungen an