Dove, Deutsch - Südwest - Afrika.
4. Relative Feuchtigkeit und Bewölkung.
Da meine Instrumente erst im Laufe der warmen Zeit vollständig in Windhoek eingetroffen waren und an dem Afsmannschen Apparat des Hauptmanns von Frangois die eine der beiden Köhren nicht mehr ordentlich schlofs, so wurde mit den Beobachtungen des feuchten Thermometers erst am 1. Dezember 1892 begonnen.
Ich teile zunächst die "Werte für die relative Feuchtigkeit mit.
Eelative Feuchtigkeit in Prozenten:
7 h a. m.
2 h p. m.
9 h p. m&
Dezember ....
46
19
40
72
49
67
68
51
67
68
42
63
47
24
39
Der Luftdruck ist bei diesen Mitteln nicht berücksichtigt, da es sich bei der Mehrzahl der Ziffern um aufsergewöhnlich hohe Zahlen bandelt und die mitgeteilten Zahlen daher für den Geographen nur einen geringen "Wert besitzen. Die Angaben für Januar, Februar und März sind wegen der abnormen Regenmengen dieser Periode viel zu hoch, während nur die für den Dezember 1892 ein ziemlich dem langjährigen Mittel entsprechendes Bild geben dürften. Man mufs bei der Beurteilung der Lufttrockenheit unsres Schutzgebiets übrigens berücksichtigen, dafs die trockensten Monate nicht diejenigen sind, welche in die niederschlagsärmste Zeit fallen; vielmehr ist die relative Feuchtigkeit wohl am geringsten in den warmen Monaten vor der eigentlichen Regenzeit. Vom 1.—4. Dezember 1892 betrug die relative Feuchtigkeit im Tagesmittel nach fünf sehr trockenen und warmen Wochen nur 26%, am 22. und 23. nach einer Trockenperiode von anderthalb "Wochen sogar weniger als 10 °/ 0 . Um Mittag sank die Luftfeuchtigkeit in diesem Monat überhaupt mehrfach unter 10%.
Von den Wirkungen dieser ganz aufserordentlichen Trockenheit auf lebende Wesen und leblose Gegenstände wird weiter unten die Rede sein. Ich wende mich zu der Besprechung der Bewölkung, bei der natürlich die Lage eines Ortes die gröfsten Verschiedenheiten bedingt.
Die Bewölkung in den einzelnen Monaten betrug:
Oktober (26.—31.) ... 3,4
November......3,6
Dezember......3,8
Januar .......7,3
Februar.......6,2
März........4,7
April........(2,0)
Die Bewölkungsziffern für Windhoek sind einmal leider nicht typisch für gröfsere Landschaften, weil der Ort in einem Gebirgsthal gelegen ist, und aufserdem macht sich auch bei den Zahlen für diesen klimatischen Faktor der Einflufs der starken Regenzeit im Anfang 1893 geltend.
In den westlichen Landesteilen ist der Seenebel die einzige regelmäfsig eintretende Bewölkung des Himmels. Aber auch jenseits der Namib ist der gröfste Teil des Jahres durch einen Himmel ausgezeichnet, den man bei uns geradezu als wolkenlos bezeichnen würde. Auf der andern Seite dringen die Seenebel weit in das Land hinein. In 60 km Entfernung von der Küste habe ich sie zu verschiedenen Jahreszeiten in mehreren Nächten beobachtet, und im November 1893 war eines Morgens in Otjimbingue ein so dichter Nebel eingetreten, dafs die Berge erst nach 9 Uhr aus der dichten Decke hervortraten.
Im Gebirge beobachtet man nach stärkeren Regen eine Art Bergnebel, wie er auch in Deutschland die Kuppen und Hänge unsrer Höhen in feuchter Jahreszeit umzieht.
Es ist klar, dafs bei der Art der Regen das Haufengewölk ähnlich dem unsrer Sommer-