II. Das Klima von Südwest - Afrika.
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selbst eine stärkere Bewölkung beobachten als in den tiefer liegenden Landschaften, und in bedeutend verstärktem Mafse ist das im Sommer und in den ihm zeitlich benachbarten Monaten der Fall. Die Strahlung wird dadurch aber so vermindert, dafs man sich in der Zeit des höchsten Sonnenstandes in diesen Gebieten selbst bei Tage in unser deutsches Klima versetzt fühlen könnte, wäre nicht die Luft in diesen Hochgebieten so unendlich viel erfrischender und kräftigender als in den Ebenen Mitteleuropas. Dr. Ludloff, der das Khomasland während dieser Monate besucht hat, sagt darüber: „Da oben weht auch stets eine prächtige frische Bergluft. Fieber und derlei Krankheiten sind nicht zu befürchten ; ich halte die Gegend für so gesund wie irgendeinen Luftkurort in den Schweizer Alpen." !)
3. Niederschläge.
Unbestritten der wichtigste atmosphärische Vorgang im Leben eines den Tropen benachbarten Steppengebiets ist der Regen. "Wohl treten einem selbst unter den gebildeten Europäern, wenn dieselben erst kurze Zeit im Lande weilen, manchmal Zweifel an der Notwendigkeit einer genauen Untersuchung der Regenverhältnisse unsres Schutzgebiets entgegen. In unsrer englischen Nachbarkolonie sind die Niederschläge und ihre Verteilung ein wichtiger Gesprächsstoff auch dieser Kreise, und wer in unsrem eigenen Gebiet nach längerem Aufenthalt nicht die Bedeutung einer eingehenden Kenntnis dieser Erscheinungen für die Beurteilung des wirtschaftlichen Wertes der verschiedenen Landschaften einzusehen vermag, von dem wage ich zu behaupten, dafs er nicht in das Land gehört und dafs er sich in einer Beamtenstellung daselbst recht gründlich blamieren wird. Die besten Kenner des Landes, die Eingebomen, kennen auch am besten die Bedeutung des Regens für das wirtschaftliche Leben ihrer Heimat. Die naive Vorstellung dieser Leute von der Möglichkeit des Regenzaubers schliefst die richtige Erkenntnis der das ganze Leben beherrschenden Wichtigkeit der Niederschläge ein. Es gehört der ganze Hochmut eines Theoretikers vom grünen Tische dazu, diesen Kern verkennen zu wollen. Und es ist ein Zeichen völliger Unfähigkeit, gerade dies Schutzgebiet zu beurteilen, wenn man das wirtschaftliche Leben desselben von andern als den natürlichen Grundlagen aus sich entwickeln zu sehen glaubt, wie dieselben in der fast allein vom Regen abhängigen Verteilung von Wasser und Weide gegehen sind.
Das Material,. welches uns zur Verfügung steht, entstammt zum Teil solchen Stationen, welche durch ihre Lage in ziemlich freien Hochländern typisch für ausgedehntere Landschaften sind. Dahin gehören vor allem Kubabub und Heusis und in gewissem Sinne auch Rehoboth. Da in letzterem Ort der Regen seit einer ganzen Reihe von Jahren beobachtet wird, so können wir die Mittelwerte desselben benutzen, um die in einem Gebiet gleicher Regenzeit und Regenentwickelung gelegenen Orte auf ihre wahren Mittelwerte schätzungsweise zu beurteilen. Den Nachweis, dafs das Eintreten des Regens auf ziemlich grofse Strecken hin einigermafsen gleichmäfsig erfolgt und dafs meist nur die zu Boden gelangende Menge gröfseren Verschiedenheiten unterworfen ist, glaube ich führen zu können. Dieser Beweis ist die Voraussetzung des angedeuteten vergleichenden Verfahrens, und es ist wünschenswert, dafs er erbracht werde, weil unter den ja stets nach den augenblicklichen Erscheinungen eines einzelnen Ortes urteilenden Laien in Südwest-Afrika der Glaube an eine völlige örtliche Regellosigkeit der Niederschläge außerordentlich verbreitet ist.
In ein solches von einheitlichen Regenperioden heimgesuchtes Gebiet fallen "Windhoek und Rehoboth trotz der ziemlich grofsen nordsüdlichen Entfernung.
Ich stelle hier einige Beobachtungen zusammen, welche genügen werden, meine Ansicht zu erweisen. Gerechnet sind nur die mefsbaren Niederschläge, wobei kurze Pausen
!) Vgl. Deutsche Kolonialzeitung, Jahrg. 1891, S. 116.