Print 
Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
Place and Date of Creation
Page
21
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

II. Das Klima von Südwest - Afrika.

21

Lokalwinde.

An verschiedenen Stellen unseres Schutzgebietes treten Lokalwinde auf. Die in­teressanteste Erscheinung auf beschränktem Gebiet sind zweifellos die ausnahmsweise wehenden heifsen Ostwinde der Küste. Bereits während meines ersten Aufenthalts in "Walfischbai im Jahre 1892 äufserte ich auf die Schilderung dieses "Windes hin dem die meteorologischen Beobachtungen anstellenden Missionar gegenüber, dafs man es hier wohl mit einem Föhn zu thun habe. Seitdem ist der definitive Beweis für diese Ansicht durch v. Danckelman erbracht, und ich verweise daher an dieser Stelle auf die Ausführungen dieses ausgezeichneten Kenners unserer Schutzgebiete 1 ).

Eine zweite interessante Erscheinung sind die Wirbelwinde, welche man im Innern am Ende der Trockenzeit und im Beginn der Regenzeit beobachten kann. Ich hatte oft Gelegenheit, solche Luftwirbel in Windhoek zu beobachten. Sie erhoben sich ganz plötz­lich, rissen eine mächtige "Wolke von Staub in die Lüfte empor und folgten mit ziemlicher Geschwindigkeit meist der Thalrichtung von Norden nach Süden. Die Höhe der Staub­säulen betrug in den meisten Fällen nicht über 50 m, doch habe ich einmal einen solchen von Staubmassen erfüllten "Wirbel ziehen sehen, der annähernd 150 m Höhe haben mochte. Ihre Stärke war nach dem geringen Unheil, welches sie auf den von ihnen berührten Flächen anrichteten, nicht gröfser als die eines stofsweise auftretenden gewöhnlichen Ge­witterwindes.

Im Osten des Landes, in den freien Grenzebenen der Kalahari, mögen diese und andere "Winde stärker auftreten als in den Bergländern. "Wenigstens hatte ich auf einer Reise durch das Bastardland Gelegenheit, vor der Regenzeit 1892/93 über den Kalahariflächen offenbar in sehr grofser Höhe in der Luft befindliche Staubmassen zu beobachten, welche nur von kräftigen "Winden in solche Höhen gejagt sein konnten. Auch weht in dem freier gelegenen Rehoboth der Wind in der Regel viel lebhafter als in den geschützten Berg­landschaften um "Windhoek. Doch kann man als Regel festhalten, dafs eigentliche Stürme im Innern unsres Schutzgebiets fehlen oder doch nur äufserst selten auftreten.

Eines kühlen Südwindes sei an dieser Stelle gedacht, welcher in Windhoek im Sommer bisweilen eintrat, wenn in den Awasbergen und auf ihren Vorhöhen sehr starke Nieder­schläge einen starken Abfall der Temperatur hervorgerufen hatten. Diese kalten Berg­winde wirkten einigemal so unangenehm abkühlend wie die kalte Zugluft der Thalgehänge während des Winterhalbjahres, durch die besonders die nachts im Freien Lagernden be­lästigt werden.

2. Temperatur.

Das ganze Schutzgebiet steht hinsichtlich seiner Temperatur weit hinter der Mittel­wärme zurück, welche demselben seiner Breite nach eigentlich zukommen würde. Das gilt auch von manchen Orten des Innern. Leider sind wegen des zu geringen Schutzes der Instrumente die älteren Temperaturbeobachtungen kaum verwendbar, um ein richtiges Bild der thatsächlichen Temperaturverteilung herzustellen.

Mit Ausnahme des Küstengebiets haben wir in unsrem Schutzgebiet überall eine gewisse Einheitlichkeit wenigstens in den Grundzügen der Temperaturverteilung und des Ganges derselben, und die quantitativen Unterschiede der Wärme erscheinen lediglich durch die Höhe und durch lokale Ursachen beeinfluJ'st. Weit geringer ist infolge der allgemein grofsen Meereshöhe und namentlich der nach Osten hin stark zunehmenden Niederschläge der wärmeren Jahreszeit die Verschiedenheit der Temperatur Verteilung, welche man dem Einflüsse der geographischen Länge zuschreiben könnte.

Eine Provinz für sich wie in jeder Hinsicht so auch in ihren Temperaturverhältnissen

!) Vgl. Meteorol. Zeitschr. XII, 1895, S. 21.